Digital-Business-Forum: Experimentierräume für Start-ups schaffen

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„Nicht immer nur mit Wattebällchen werfen“

Experimentierräume für Start-ups schaffen

Um jungen Unternehmen Spielraum für ihre Entwicklung zu geben, schlug Fetzer regulative Experimentierräume vor. Räume also, in denen Startups ihre Idee testen können – ohne sofort auf jede Vorschrift achten zu müssen. Eine Idee, die derzeit in Großbritannien getestet wird und die auch CDU-Netzpolitiker Thomas Jarzombek begrüßte.

Staatsminister Helge Braun ermutigte junge Gründer: „Jeder der eine Idee für einen Experimentierraum hat, soll sich bei mir melden – dann probieren wir das.“ Gleichzeitig warnte er: „In der Realität kann das sehr schwierig werden.“ Hygienevorschriften etwa müssten für alle gelten – auch für einen jungen Onlineshop für Wurst.

Die Unternehmer Jan Oetjen von 1&1 und Henrich Blase von Check24 riefen die Politik dazu auf, deutsche und amerikanische Unternehmen endlich gleich zu behandeln. Bislang würden deutsche Unternehmen oft hart reguliert während die großen Plattformen aus Amerika in der Ausnutzung ihrer Marktmacht freie Hand hätten. „Wenn wir in Europa dafür in den nächsten Jahren keine Lösung finden, wird es schwer werden, hier überhaupt noch digitale Geschäftsmodelle aufzubauen“, sagte Oetjen.

Eine Studie zum Thema stellte Björn Bloching, Partner bei Roland Berger, vor. Wichtig ist demnach, dass Europa gemeinsam agiert und dass Kartellbehörden schneller auf Missbräuche reagieren. „Vor allem müssen wir lernen, in den neuen Netzwerkstrukturen zu denken“, sagte Bloching. „Wir brauchen beides: eine neue Denkart und clevere Regulierung.“

In Deutschland ist für die Regulierung Andreas Mundt zuständig. Der Präsident des Bundeskartellamtes erzählte von den Schwierigkeiten, Monopolmissbrauch digitaler Plattformen vor Gericht nachzuweisen. „Das ist der Mount-Everest des Wettbewerbsrechts“, sagte er. Um überhaupt eine Chance zu haben, hat Mundt in seinem Haus eine Sonderabteilung für das Thema eingerichtet. „In einem Jahr werden wir sicherlich einige Korsettstangen eingezogen haben“, kündigte er an. Den Unternehmern im Raum sagte er: „Sie mögen das Gefühl haben, wir tun nicht genug – aber sie haben nur uns.“

Investor Klaus Hommels regte dazu eine Alternative an. Es brauche eine große Kartellbehörde in Europa. Die habe eine höhere Durchschlagskraft als nationale Organe. Zudem forderte Hommels eine neue Strukturpolitik. China mache vor, wie man eigene Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen könne. „Wir dürfen nicht immer nur mit Wattebällchen werfen“, sagte Hommels. „Das macht außer uns ja auch keiner.“

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