Digitalisierung 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits

Ein Viertel der Deutschen nimmt nicht an der digitalen Welt teil. Fast ein Drittel fühlt sich von der Digitalisierung überfordert. Wirtschaftsministerin Zypries fordert mehr Anstrengungen, um die Menschen mitzunehmen.
Update: 24.01.2018 - 10:49 Uhr 12 Kommentare
Digitalisierung: 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits Quelle: dpa
Kinder lernen den Umgang mit Computern

32 Prozent der Deutschen ab 14 Jahre sagen, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere.

(Foto: dpa)

Berlin Viele Deutsche fühlen sich von der Digitalisierung überfordert und nehmen gar nicht erst an den neuen Entwicklungen teil. Das zeigt eine neue Studie der Initiative D21, die durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde. Zwar konnten die Deutschen beim „D21-Digitalindex“ von 51 auf 53 Punkte zulegen. Von dem Maximalwert von 100 Punkten sind sie jedoch noch weit entfernt. Der Digitalindex misst den Zugang zur Digitalisierung, also wie das Internet beruflich oder privat genutzt wird und welche Geräte zu Verfügung stehen, außerdem die Nutzungsvielfalt, also welche Anwendungen die Deutschen regelmäßig nutzen, sowie die digitale Kompetenz und ganz generell die Einstellung zum Internet.

„Wir beobachten zwar eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen bewegen sich souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21 laut Mitteilung: „Doch nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet.“

32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere. Bei den über 50-Jährigen waren es sogar 42 Prozent. Zwar zählen die Studienautoren 34 Prozent der Deutschen zu Digitalen Vorreitern und immerhin 41 Prozent zu digitalen Mithaltenden. 25 Prozent der Deutschen – also 16 Millionen Menschen – ordnen sie jedoch in die Kategorie „Digital Abseitsstehende“ ein. Diese partizipierten gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang an der digitalen Welt, heißt es in der Studie.

Vor allem Ältere und weniger gebildete sind von den Entwicklungen der Digitalisierung abgeschnitten. Die Frage, ob sie zumindest ab und zu das Internet nutzen, beantworteten 95 Prozent der Deutschen mit hoher Bildung positiv – aber nur 59 Prozent der Menschen mit niedriger Bildung. Insgesamt nutzen 99 Prozent der 14-29-Jährigen das Internet, aber nur 48 Prozent der über 65-Jährigen. Hauptgrund für die Nichtnutzung sei mangelndes Interesse an dem Medium Internet an sich, schreiben die Autoren der Studie. Weitere wichtige Aspekte seien der mangelnde Nutzen, die Kompliziertheit sowie Sicherheitsbedenken.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) fordert mehr Anstrengungen, um alle Menschen bei der Digitalisierung mitzunehmen. "Angesichts der Bedeutung, die digitale Anwendungen schon heute und erst recht zukünftig haben werden, müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam dafür sorgen, dass keine digitalen Risse in der Gesellschaft entstehen und niemand abgehängt wird", sagte Zypries dem Handelsblatt. Gerade bei der Vermittlung von Digitalkompetenzen müsse in Schulen und Betrieben systematischer und besser qualifiziert werden. "Dafür müssen wir zum Beispiel die Ausstattung der Bildungseinrichtungen auf den neuesten Stand bringen - und zwar zügig."

Die Studie zeigt auch, dass es bei der beruflichen Weiterbildung erheblichen Aufholbedarf gibt. Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich neues Wissen im digitalen Bereich über Weiterbildungsangebote aneignen, bei den 30-49-Jährigen waren es immerhin 24 Prozent.. "Für mehr digitale Kompetenz müssen wir gemeinsam mit Unternehmen und Gewerkschaften koordinierte Ansätze für die Qualifikation der Chefetagen wie auch der Fachkräfte entwickeln", forderte Zypries. Gelegenheit dazu bieten die anstehenden Verhandlungen für eine Große Koalition.

Auch die Deutschen wünschen sich mehr Engagement, zum Beispiel bei der Bildung. 65 Prozent fordern, dass die Vermittlung von Programmierkenntnissen zentraler Bestandteil der Schulbildung sein muss – ein Anstieg von 20 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Für die repräsentative Studie von D21, die jährlich durchgeführt wird, wurden in 22.459 Interviews deutsche Bürger ab 14 Jahre befragt. Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundeswirtschaftsministerium und durch Sponsoring, unter anderem von dem Versicherungskonzern Allianz und der Deutschen Telekom.

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12 Kommentare zu "Digitalisierung: 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Günther Heck
    23.01.2018, 13:04 Uhr
    Zurück zu 4.0.

    Der führenste amerik. Wissenschaftler von der Harvard University hat schon mal die Regierung kritisiert, dass sie die amerik. Bevölkerung auf den digitalen Wandel nicht vorbereitet.

    Immerhin würden 30 bis 40% der Berufe dem Wandel zu Opfer fallen.

    Seattle hat mit Amazon dieser Tage schon mal den Anfang gemacht.

    Und sicher ist, dass Deutschland noch weniger vorbereitet ist und immer mehr Menschen bei uns sind, die diese Schritte nicht mithalten werden können.

    ======================

    Die Amerikaner lachen Europa aus !!! Oder sollten es zu mindestens !

    da wehrt sich eine EU gegen GOOGLE, hat aber keinerlei vergleichbaren an Gutes den Europäer anzubieten !!!

    ES LEBE AMERIKA, wann gibt es dem US-DOLLAR in EUROPA als Amtlicher Zahlungsmittel ??? Der EURO IST FIX UND FERTIG KAPUTT !!!

    dann ist Digitalisierung nicht von Priorität innerhalb Europas.

    Es schadet uns, wir sehen dann wie Digitalisierung etwa im USA besser funktioniert als in Europa.

  • stehen oder kippen?

  • "Digitalisierung: 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits"

    Dafür stehen die Nullen stehen im Bundestag.

  • Zurück zu 4.0.

    Der führenste amerik. Wissenschaftler von der Harvard University hat schon mal die Regierung kritisiert, dass sie die amerik. Bevölkerung auf den digitalen Wandel nicht vorbereitet.

    Immerhin würden 30 bis 40% der Berufe dem Wandel zu Opfer fallen.

    Seattle hat mit Amazon dieser Tage schon mal den Anfang gemacht.

    Und sicher ist, dass Deutschland noch weniger vorbereitet ist und immer mehr Menschen bei uns sind, die diese Schritte nicht mithalten werden können.

    Es grüßen die Kaderschmieden Harvard, Stanford, Yale, Princeton, MIT & Co.

    Gesponsort von Apple, Alpabet, Amazon & Co.

  • Und die Lösung für die zukünftigen finanziellen Engpässe gibt es auch schon.

    Die dürfte Inflation heißen.

    So, genug gelabert.

  • Herr Santos, im Artikel geht es um die Teilnahme an der digitalen Welt, nicht um Arbeitslose.
    Aber weil Sie gerade davon sprechen, in Deutschland gab es trotz negativer Bevoelkerungs-
    entwicklung noch nie so viele Arbeitsplaetze wie heute. Und die Obdachlosen sind obdachlos
    weil sie sich nicht der Gesellschaft anpassen wollen. In unserem Sozialstaat leidet niemand
    unter Hunger und Kaelte, der sich bemueht das zu vermeiden.

  • Folgen haben auch ihre Ursachen.

    Ursache und Wirkung.

    Wer es zulässt, dass eine Stadt mit einem Migrationsanteil von 68% aus 152 Nationen, zur ärmsten des Landes wird, braucht sich auch nicht zu wundern, wenn öffentliche Einrichtungen, Schwimmbäder u. Krankenhäuser schließen müssen.

    Wer als ökonomischer Analphabeten denkt, dass solche Dinge keine volkswirtschaftlichen Langfristfolgen für das gesamte Land hat, darf sich gerne als Besserwisser und Spinner bezeichnen.

  • Spinnt man das Rad weiter, so hat Deutschland nicht nur die offiziellen 2.000.000.000.000 Euro Schulden (expliziten) sondern es türmen sich nochmals mehre Billionen als implizite Staatsschulden obenauf.

    Und wenn heute schon jeder 2. Euro in Soziales fließt braucht man sich nicht zu wundern, wenn nach der Babyboomergeneration dem Staat das Geld endgültig ausgehen wird.

    Viele, viele deutsche Städte und Kommunen haben es ja schon lange geschafft. Sie dürften uns eigentlich ein Liedchen singen können.

    Spätestens, wenn zukünftig mit der nächsten Generation durch die demographische Entwicklung nur noch um die 8 bis 15 Millionen sog. Nettosteurzahler zur Verfügung stehen werden, werden es wieder alle besser wissen wollen.

    Dabei weiß man es heute schon.

  • Ein Viertel der Bevoelkerung ist wohl ueber 60, da koennen eigentlich nur Kinder oder Freunde helfen. Ich glaube nicht, dass der Staat da viel tun kann. Man kann kostenlose
    Seminare einrichten, aber die grosse Mehrzahl der aelteren Bevoelkerung wird nicht hingehen. Viele benuetzen nicht einmal die ATMs.

  • Und ohne Strom auch kein Internet !!!

    Also wenn man über Fakten schreiben will, sollte man auch ALLE FAKTEN benutzen und nicht nur verschönerungen davon !!!!!

    .................

    In Deutschland beziehen ÜBER 8 MILLIONEN MENSCHEN Hartz4 ... UND SIND SOMIT ARBEITSLOS !!!

    Da zeigt sich wie in Deutschland die ARBEITSLOSEN QUOTE VERSCHÖNERT WIRD !!!

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