Deutschland
DIHK-Chef Braun zu Lehrlingsgehältern

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Deutschland ist noch angespannter als im Vorjahr. Jetzt hat Handelskammerpräsident Ludwig Georg Braun ungewöhlich harte Forderungen aufgestellt. Die Gewerkschaften reagierten sofort.

HB BERLIN. Handelskammerpräsident Ludwig Georg Braun hat niedrigere Gehälter für Lehrlinge gefordert. Der „Welt“ sagte Braun: „Eine Ausbildungsvergütung von bis zu 800 Euro ist für viele Betriebe einfach zu hoch. Mein Vorschlag ist, eine bundesweite Basisvergütung von 270 Euro einzuführen. Das könnte vor allem kleinere Betriebe für Ausbildung erschließen.“

Die Lehrlingsgehälter werden in den meisten Branchen in Tarifverträgen gemeinsam von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften festgelegt. Wer nicht Mitglied im Arbeitgeberverband ist, ist daran nicht gebunden.

Nach Ansicht der Gewerkschaften darf die Bezahlung der Auszubildenden nicht gekürzt werden. Braun wolle „offenbar einen dritten subventionierten Arbeitsmarkt mit billigen Arbeitskräften schaffen“, sagte der Chef der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, am Samstag in München. ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane warnte im radio NRW, künftig werde die Zahl junger Leute, die eine Lehre machen, stark sinken. „Und da kommt es doch drauf an, die betriebliche Ausbildung attraktiv zu behalten und sie noch attraktiver zu machen - und nicht den Eindruck zu erwecken, hier soll der Marsch zurück ins 19. Jahrhundert angetreten werden.“

FDP-Vize Rainer Brüderle unterstützte Brauns Forderung. „Um mehr Ausbildungsplätze anbieten zu können, müssen Anpassungen an die Möglichkeiten der Ausbildungsbetriebe geschaffen werden“, sagte er am Samstag in Berlin. „Staatliche Vorgaben für Ausbildungsentgelte schießen jedoch über das Ziel hinaus“, fügte er mit Blick auf die Tarifautonomie hinzu.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hatte einen „Wust an gesetzlichen Vorschriften“ bemängelt, die viele Unternehmen abschreckten, Lehrstellen anzubieten. „Die Wirtschaft erwartet von einer neuen Bundesregierung, dass diese Ausbildungshemmnisse in den nächsten Jahren sukzessive abgebaut werden.“

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Deutschland ist noch angespannter als im Vorjahr. Mitte Juli hatte bundesweit knapp eine viertel Million junger Menschen noch keinen Ausbildungsplatz. Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass zum Ende des Berufsberatungsjahres Ende September noch immer mehr als 31 000 Jugendliche keine Lehrstelle haben.

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