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DIHK-Experte Dercks: „Fachkräftemangel gefährdet Wachstumspotenziale“

exklusiv In der Debatte um die Anwerbung ausländischer Fachkräfte hat der Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vor möglichen negativen Auswirkungen für den Standort Deutschland gewarnt. Im Interview erklärt Vize-DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks, warum die Politik jetzt zügig handeln muss.

Handelsblatt Online: Was sind die Hauptursachen des Fachkräftemangels in Deutschland?

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Achim Dercks: Die demografische Entwicklung ist die zentrale Ursache für den zunehmenden Fachkräftemangel. Bereits heute haben Betriebe - vor allem in Ostdeutschland - Schwierigkeiten, passende Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Daher müssen wir unser Potenzial an Fachkräften noch besser am Arbeitsmarkt nutzen - z.B. durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Welche wirtschaftlichen Bereiche sind besonders betroffen?

Besonders betroffen sind naturwissenschaftlich-technische Berufe, z.B. Ingenieure und IT-Berufe. Die Engpässe betreffen hier aber nicht nur Akademiker, sondern z.B. auch gut ausgebildete Fachkräfte wie Elektroniker oder IT-Meister. Aber auch im sozialen und pflegerischen Bereich existieren bereits Engpässe, die sich künftig weiter verschärfen dürften.

Wie kann Deutschland für ausländische Fach- und Führungskräfte attraktiver gemacht werden, welche neuen Regeln sind nötig?

Wir brauchen erleichterte Zuwanderungsregelungen für ausländische Fachkräfte. Damit würde Deutschland auch ein wichtiges Signal senden, dass Einwanderer hier willkommen sind. Kurzfristig würde eine weitere Absenkung der Einkommensschwelle für Hochqualifizierte von zurzeit 66.000 Euro helfen. Daneben brauchen wir eine flexible, arbeitsmarktorientierte Zuwanderungssteuerung, bei der insbesondere Qualifikation, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse des einzelnen Bewerbers gewürdigt werden. Ein solches Instrument ermöglicht es der Politik, je nach Bedarf unterschiedliche Zuwanderungszahlen für Fachkräfte festzulegen - das alles müsste unbürokratisch und wirtschaftsnah gehen.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank Jürgen Weise, wirft den Unternehmen vor, dass sie möglichen Kandidaten zu wenig bieten. Wie stehen Sie zu dem Vorwurf?

Niemand bestreitet, dass zur Linderung des Fachkräftemangels eine Gesamtstrategie nötig ist, in der die Zuwanderung nur ein Baustein sein kann. Darum sollte man auch Zuwanderung und eine bessere Nutzung der Potenziale in Inland nicht gegeneinander ausspielen. Bereits jetzt bieten viele Unternehmen attraktive Angebote an, um Fachkräfte hierzulande zu gewinnen und zu halten. Z.B. im Rahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch in Form von attraktiven Karriereperspektiven und Weiterbildungsangeboten. Und die deutlich höhere Erwerbsbeteiligung Älterer spricht ebenfalls dafür, dass die Unternehmen sich hier verantwortungsvoll verhalten. Und wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, ist auch die Politik in der Verantwortung, eine passende Betreuungsinfrastruktur auch tatsächlich zu schaffen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat eine Lockprämie für besonders gesuchte Fachleute ins Spiel gebracht; Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eine Absenkung des Mindestgehalts für einen problemlosen Zuzug auf nur noch 40.000 Euro im Jahr nach. Was halten Sie davon?

Deutschland muss sich dauerhaft als attraktives Einwanderungsland positionieren. Dazu brauchen wir viele gute Ideen in Unternehmen und Politik. Dazu gehören kreative Gehaltspakete und interessante Jobperspektiven ebenso wie eine Absenkung der Einkommensgrenzen, die auch jungen Akademikern den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt eröffnen werden.

Wie groß bemessen Sie den wirtschaftlichen Schaden, der Deutschland durch den Fachkräftemangel entsteht?

Solche Prognosen sind immer schwierig und erfassen zudem die Dynamik dieser Entwicklung nicht hinreichend. Durch Fachkräftemangel besteht die Gefahr, dass wir langfristig Wachstums- und Innovationspotenziale verlieren - und damit letztlich auch Wohlstand und Chancen nachfolgender Generationen sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für geringer Qualifizierte.

  • 04.08.2010, 15:38 UhrAnonymer Benutzer: micha

    Das Problem ist doch das es eigentlich keinen Fachkräftemängel gibt, sondern die Tatsache dass am bedarf vorbei qualifiziert wird. Das nächste Problem ist das mit Vorvorschulbildung, Vorschulbildung, Schulbildung (hier unterteilt in Grund-, Haupt-, Realschule und Abitur) gelehrt wird, man es dort zum Gymnasium schafft, dann zum Studium geht. Jedoch hat immer mindestens 1Jahr Anpassungsuntericht nur um auf das gleiche Level zu kommen, wenn man jetzt sich auch noch traut das bundesland zuwechseln. Mit einem Schlag ganz andere Lehrpläne, anhand derer man erfährt das 1+1 nicht 2 ist. Hat sich dann eigentlich genügend qualifziert erfährt man das die Firma das gut alte Diplom bevorzugt und mit bachelor oder Master nichts anzufangen weiß. Man sollte erstmal einheitliche gesamtdeutsche Lehrpläne schaffen, damit Anpassungsmassnahmen nicht notwendig sind und würde somit verkürzte Lehrjahre schaffen. Dann hatte man somits das Problem bei den Jungingenieuren gelöst, denn "ingenieur" hat auch recht, dass es genügend ingenieure mit 40+ und drüber gibt, welche zu Hause sitzen und auf eine Neuanstellung warten. Auch sieht es auch schlecht aus, wenn man sich erlaubt zwischen 20 und 40 Jahren Kinder zu kriegen, die nächsten Nachwuchskräfte, da für diese dann keine geeigneten oder zu wenige Unterbringungsmöglichkeiten gibt, dies jedoch nur in Westdeutschland, denn für Ostdeutschland hat man ja letztens festgestellt, das es zu viele Erzieher gibt. Ach ja ich gehe demnächst als Fachkraft in eines der Alpenländer.

  • 04.08.2010, 14:44 UhrAnonymer Benutzer: Denkerist

    Deutschland hat noch eine Art Marktwirtschaft keine soziale mehr aber immer noch sollte Angebot und Nachfrage den Markt beherrschen. bei der bezahlung der Fachkräfte versucht man nun auch hier den Markt zugunsten der Unternehmenseigner zu beeinflussen.
    Mit billigen Fachkräften versucht man die Löhne und Gehälter Richtung H4 zu drücken.

    Falls es einen Fachkräftemangel gäbe, so wäre er durch international übliche bezahlung leicht auszugleichen. Zahllose Fachkräfte haben den Osten Deutschland Richtung Österreich, Schweiz, Norwegen verlassen. Auch im Süden Deutschlands ist der Weggang von Fachkräften Richtung Alpenländer zu bemerken. Dort werden angemessene Löhne gezahlt und es kann ein menschliche Arbeitsumfeld geboten werden.
    beides hat Deutschland kaum noch.

    im Übrigen hat Deutschland ca 10Mio oft nicht in der Statistik erfasste Arbeitslose, darunter zahllose Facharbeiter und Akademiker. Würden die Zehntausenden Mitarbeiter der Arbeitsämter ihren Aufgaben gerecht, so müsste es doch möglich sein, entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten anzubieten um die Nachfrage nach Fachkräften zu bedienen. Stattdessen werden sie über Förderprogramme ins Ausland vermittelt.

    Sicherlich im Zeitalter von Zeitarbeitsfirmen (den modernen Sklavenhändlern) ist niemand mehr da, der Fachkräfte ausbildet. Es geht da um Vermittlung ausgebildeter Fachkräfte, so lange sie eben da sind. Eigene Ausbildung würde den Gewinn schmälern, und staatliche Ausbildungsalternativen sind mangelhaft und entsprechend unlukrativ.

    Man muss sich auch noch fragen, weshalb doch bei der notwendigen längeren Lebensarbeitszeit bis 67 (Ausnahme beamte) dies älteren Arbeitnehmer prinzipiell nicht mehr vermittelt werden. Mit dem erreichen des 50. Lebensjahres sinken die Arbeitschancen auf Null. Wie passt das zu Rente mit 67?

    Falls all diese Argumente nicht genügen, ein blick in die Stellenanzeigen auch im Hb zeigt, dass allgemein nur Sklavenhälterfirmen billige Arbeitskräfte im ingenieurs- und Fachkräftebereich suchen. Echte Nachfrage von Firmen besteht kaum.

    Die angeblich hohe Nachfrage nach Facharbeitern und Akademikern – eine Lüge der Wirtschaftslobbyisten, die mit Hilfe der ihnen hörigen Medien unters Volk gebracht werden.

  • 04.08.2010, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: Joachim Schubert

    Die scheinbar unglaublichen Entwicklungen sind uralt. Seit Jahren liegen die Fakten als Zahlenmaterial auf dem Tisch. Allein der Handlungsdruck hat bisher gefehlt. Frei nach dem Motto: „Schaun wir mal.“

    Wer glaubt, dass wir den kommenden bedarf mit „Gastarbeitern“ werden decken können, der irrt. Da praktisch alle industrienationen das gleiche demografische Problem haben, brauchen diese ihre Fach- und Spitzenkräfte selber. im Gegenteil: Aufgrund der für sie schlechten Voraussetzungen in Deutschland, wandern junge Deutsche mit Migrationshintergrund in die Heimatländer ihrer Eltern/Großeltern aus.

    Ein Nebeneffekt des kommenden Arbeitskräftemangels: Ganze Regionen werden zu sog. „Entleerungsgebieten“. Es reicht der blick nach Mecklenburg-Vorpommern. Hellseher? Nein, neutral und faktenorientiert.

    Joachim Schubert
    Sprecher Demografierat

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