DIHK
Flüchtlinge helfen bei Azubi-Problem kaum

Trotz Flüchtlingskrise bleiben immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. Viele Unternehmen bekommen gar keine Bewerbungen mehr auf ihr Angebote. Auch die jungen Flüchtlinge bringen dem Ausbildungsmarkt keine Entlastung.

BerlinIn der deutschen Wirtschaft kann rund ein Drittel der Betriebe nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen, weil geeignete Bewerber fehlen. Zudem erhielten zuletzt fast 14.000 Betriebe gar keine Bewerbungen mehr für ihre Ausbildungs-Angebote, wie der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Dienstag mitteilte.

Die massiv gewachsene Zahl junger Flüchtlinge bringe kurz- und mittelfristig keine Entlastung. Bis sie überhaupt für eine Ausbildungsstelle in Frage kämen, zum Beispiel Deutsch gelernt hätten, vergehen nach Angaben Schweitzers ab deren Einreise durchschnittlich 22 Monate. Für die volle Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt setzt er einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren an.

„Die Lage war für die jungen Menschen, die eine berufliche Bildung starten wollen, noch nie so gut wie jetzt“, zog Schweitzer das Fazit aus einer DIHK-Umfrage unter gut 11.000 Ausbildungsbetrieben. Das bedeute aber andererseits: „Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt.“ Das mehr und mehr dominierende Thema Fachkräftemangel sei nun auch voll in der beruflichen Bildung angekommen.

In der DIHK-Ausbildungsumfrage äußerten 31 Prozent der Unternehmen, dass sie keine Bewerber mehr für ihre Lehrstellen fänden. Das ist nur geringfügig wendiger als der Rekordwert des Vorjahres von 32 Prozent. Der ungünstige Trend sei jedenfalls ungebrochen, sagte der Arbeitsmarktexperte des Verbandes, Achim Dercks. Ein wesentlicher Grund sind die niedrigen Geburtenzahlen im Lande.

Inzwischen ist ein Schülerjahrgang in Deutschland um 120.000 junge Menschen kleiner als vor zehn Jahren. Zudem streben immer mehr Schulabgänger in ein Studium. Viele Betriebe klagen über wachsende Mängel der Schulabgänger in Deutsch und Mathematik, aber auch über eine ungünstige Entwicklung bei den „Softskills“, wie Disziplin, Belastbarkeit und Leistungswille.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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