DIHK ist optimistisch
Wirtschaft sieht 600 000 Lehrstellen

Die deutsche Wirtschaft geht davon aus, in diesem Herbst mindestens 600 000 Auszubildende einstellen zu können. Eine entsprechende Prognose im Berufsbildungsbericht, den die Bundesregierung am Mittwoch verabschiedete, sei „realistisch“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun dem Handelsblatt.

BERLIN. Zuletzt wurde 2001 die Marke von 600 000 neu geschaffenen Lehrstellen überschritten. „Die gute Konjunktur stärkt die Nachfrage nach jungen Fachkräften. Positive Signale kommen vor allem aus der Industrie und von größeren Unternehmen“, so DIHK-Präsident Braun.

Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der bis Ende September unterschriebenen Ausbildungsverträge um 26 000 auf 576 000 gestiegen – ein Plus von 4,7 Prozent nach einem Rückgang im Vorjahr. Trotz zusätzlicher Nachvermittlung waren im Januar dennoch gut 17 000 Jugendliche unversorgt. Der soeben um drei weitere Jahre verlängerte Ausbildungspakt von Wirtschaft und Regierung hat zum Ziel, jedem ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen eine Ausbildung zu beschaffen. Der Teilbereich Industrie und Handel habe schon 2006 „den höchsten Stand an neuen Ausbildungsverträgen seit der Wiedervereinigung“ verzeichnet, so Braun. „2007 wird es mit Sicherheit weiter aufwärts gehen.“ Allerdings erschwere die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger bei mehr als der Hälfte der Ausbildungsbetriebe die Besetzung freier Lehrstellen. Dies könnte „mittelfristig natürlich auch zu einem Rückgang beim Ausbildungsplatzangebot führen“.

Um eine von Rot-Grün angedrohte Ausbildungsplatzabgabe zu verhindern, hatte sich die Wirtschaft 2004 im Ausbildungspakt verpflichtet, jährlich 30 000 Ausbildungsplätze und 25 000 „Einstiegsqualifikationen“ neu einzurichten. In anderen Betrieben wegfallende Lehrstellen werden dabei nicht gegengerechnet, so dass unter dem Strich auch ein Minus stehen kann. Für die Zeit bis 2010 erhöhte die Wirtschaft ihre Zusagen nun auf 60 000 neue Lehrstellen und 40 000 Einstiegsqualifikationen. Letztere sollen Jugendliche mit Startschwierigkeiten – also etwa bei fehlendem Schulabschluss – bis zu einem Jahr lang auf eine Ausbildung vorbereiten. Die SPD plädiert dafür, für die Ausbildung leistungsschwacher Jugendlicher verstärkt frei werdende Gelder der Bundesagentur für Arbeit zu nutzen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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