DIHK: Rückkehr zur 40-Stunden-Woche nicht nötig
Wirtschaft fordert Arbeitszeitkorridor

In der Debatte um längere Arbeitszeiten hat sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gegen eine generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ausgesprochen. Genauso wie Gesamtmetall-Chef Martin Kannegießer sieht der DIHK aber die Notwendigkeit, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren.

HB BERLIN. Längere und flexiblere Arbeitszeiten seien zwar ein zentraler Baustein für mehr Innovationen, Investitionen und Beschäftigung, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Allerdings brauche man keine Rückkehr zur traditionellen 40-Stunden-Woche. Gefordert seien vielmehr „Zeitkorridore, die phasenweise und je nach Auftragslage höhere Wochenstundenzahlen ermöglichen“. Wichtig sei, dass Firmen generell mehr Spielraum für individuelle Strategien bei der Arbeitszeit bekämen. Starre und allgemein verbindliche Arbeitszeitvorgaben seien nicht mehr zeitgemäß.

Auch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat sich für einen wöchentlichen „Arbeitszeitkorridor zwischen 30 und 40 Stunden“ ausgesprochen. Dabei solle es eine proportionale Bezahlung geben, sagte der Chef des Arbeitgeberverbandes dem Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstag). Wo es vorübergehend aus konjunkturellen Gründen an Aufträgen mangele, „sollte 30 Stunden mit entsprechender Lohnabsenkung gearbeitet werden, was heute schon möglich ist“. Für eine Verlängerung auf 40 Stunden auch ohne Lohnausgleich plädierte Kannegiesser, „wenn ein Kostenproblem besteht“.

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) forderte, abhängig von der Auftragslage sollten konkrete Regelungen zur Arbeitszeit in den Firmen gefunden werden. Die Tarifparteien könnten einen Korridor vorgeben, in dem dann Firma und Arbeitnehmer vor Ort die optimale Lösung selbst suchen, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse der Zeitung. Der Westen könne sich beim Thema Arbeitszeit durchaus am Osten orientieren, wo länger gearbeitet werde. Einen solchen Vorschlag hatte am Montag bereits der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse gemacht. Zuletzt hatten sich in der Debatte um zusätzliche Wirtschaftsimpulse quer durch die Parteien die Stimmen für längere Arbeitszeiten gemehrt. Dabei blieb aber umstritten, ob es eine generelle Ausweitung der Arbeitszeit geben und ob sich die Politik in die Tarifautonomie einmischen sollte.

Der SPD-Arbeitnehmerflügel erinnerte daran, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten „deutlich über den tariflichen Wochenarbeitszeiten“ lägen. Viele Tarifverträge böten ein hohes Maß an Flexibilität, „die häufig überhaupt nicht genutzt wird“, sagte der Vorsitzende der SPD- Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Ottmar Schreiner, in Berlin. Die Forderung nach Rückkehr zur allgemeinen 40-Stunden-Woche gehe an der Realität vorbei.

Auch der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) wandte sich gegen Patentrezepte. Für mehr Wachstum greife die Forderung nach längerer Arbeitszeit zu kurz. „Wir müssen gut sein bei Innovationen, wir müssen in Qualifizierung investieren und wir müssen bei der Flexibilität das herausholen, was für die einzelnen Unternehmen erforderlich ist“, sagte Schartau im Westdeutschen Rundfunk.

Eine längere Wochenarbeitszeit wäre nach Auffassung der Mehrzahl der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute konjunkturbelebend. Eine generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Wochen empfahlen die Experten aber nicht.

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