DIHK-Umfrage
So hart trifft Chinas Wachstumsschwäche deutsche Firmen

Werden es wenigstens sieben Prozent oder tatsächlich noch weniger Wachstum? Chinas Schwäche nimmt deutsche Unternehmen bereits jetzt mit. Wer besonders betroffen ist und wie die Gesamtaussichten für 2015 sind.

BerlinKnapp ein Drittel der deutschen Unternehmen fürchtet negative Auswirkungen der chinesischen Wachstumsschwäche auf ihr China-Geschäft. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 1200 Firmen aus dem kompletten Bundesgebiet hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt.

„Chinas Wachstumsabschwung schlägt auch auf die deutschen Ausfuhren durch“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Das Volumen ist im Jahresvergleich zwar bisher nur leicht rückläufig, die rundum schlechten Nachrichten beunruhigen die deutschen Unternehmen aber zusehends.“ Für das laufende Jahr rechnet der DIHK nur noch mit einer schwarzen Null beim Exportgeschäft mit China.

China strebt derzeit für 2015 ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent an, einige Experten rechnen mit weniger. Was für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland Traumwerte wären, ist für das aufstrebende China enttäuschend. Und es könnte noch schlimmer kommen: Die Ratingagentur S&P rechnet für das kommende Jahr sogar nur noch mit einem Wachstum von 4,4 Prozent.

19 Prozent der von der DIHK befragten Unternehmen haben ihre Geschäftsziele für das Gesamtjahr aufgrund der Entwicklungen in China bereits nach unten korrigiert. Vor allem die Automobilhersteller und die Maschinenbauer sind betroffen. So gaben fast 40 Prozent der befragten Autofirmen an, ihre Geschäftsziele für 2015 bereits herabgesetzt zu haben, von den Maschinenbauern sagen das rund ein Viertel.

Rund ein Viertel aller befragten Firmen beunruhigen zudem die Turbulenzen an Chinas Börsen, der weit überwiegende Teil sieht jedoch keine Auswirkungen der Turbulenzen. Mehr Sorgen macht den Unternehmen die Abwertung des Renminbi, rund ein Drittel gab an, dass sie negative bis sehr negative Folgen für ihre Geschäftstätigkeit habe.

Wansleben macht den betroffenen Unternehmen wenig Hoffnung auf eine baldige Trendwende: „Eine Besserung im China-Export ist vorerst nicht absehbar“, sagte er dem Handelsblatt. Dennoch bleibe die wirtschaftliche Bedeutung Chinas für die deutsche Wirtschaft auch für die Zukunft unbestritten. Das Land gehört neben der Eurozone und den USA zu den TOP-3-Märkten deutscher Unternehmen. „Das rapide Wachstum Chinas wurde in der Vergangenheit als selbstverständlich erachtet“, erklärt Wansleben. „Die deutschen Unternehmen sehen sich nun mit einer neuen Realität konfrontiert und reagieren darauf.“

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
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