Diplom
Streit im Lager der Arbeitgeber

Bachelor oder doch ein Diplom? Das Thema Uni-Abschluss ist heiß umkämpft - und bekommt jetzt neuen Antrieb, weil das kleine Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zum Diplom zurückkehren will. Das finden einige Verbände gar nicht gut - und lösen heftige Diskussionen aus.
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BERLIN. Die geplante Rückkehr des kleinen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern zum "Diplom"-Titel hat zu einem handfesten Krach im Arbeitgeberlager geführt. Die Bauindustrie wirft Arbeitgebern (BDA) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor, in der Hochschulpolitik im Namen der gesamten Wirtschaft gegen eine Renaissance des Diploms zu kämpfen, "obwohl bei den Mitgliedsverbänden in dieser Frage Dissens besteht". So heißt es in einem Brief des Vizepräsidenten des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Manfred Nußbaumer, der dem Handelsblatt vorliegt. Das Schreiben richtet sich an Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.

Stein des Anstoßes ist das neue Hochschulgesetz in Mecklenburg-Vorpommern, das die Koalition aus SPD und CDU dort diese Woche verabschieden will. Danach sollen Studenten ihren Masterabschluss künftig in ein Diplom umtauschen können. Bei ausreichender im Studium erreichter Punktzahl soll dies sogar für Bachelor-Absolventen möglich sein. Das trage vor allem dem Wunsch der Ingenieure Rechnung, heißt es in Schwerin. Befürworter sind in erster Linie die großen im Verband TU9 vereinten Technischen Universitäten, die sich eine Öffnung auch anderswo erhoffen.

Peter Clever, Hauptgeschäftsführer der BDA, und Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom und Vorsitzender des Arbeitskreises Hochschule/Wirtschaft von BDA, BDI und Hochschulrektoren, hatten in einem Brandbrief an die Schweriner Abgeordneten und die Bildungsminister der Länder vor der Novelle gewarnt: Wenn Studenten für das gleiche Studium mal einen Master und mal ein Diplom erhielten und so "ein Flickenteppich von Abschlüssen" entstünde, "würde das nicht nur Verwirrung stiften, sondern zudem die Umstellung der Personalpolitik in den Unternehmen konterkarieren". Die Anhänger des Diploms halten dagegen, dass auch Frankreich, Finnland und Österreich Ingenieuren weiterhin das Diplom verleihen. Die Große Koalition in Schwerin hat eigens ein Rechtsgutachten anfertigen lassen, wonach die Rückkehr zum Diplom durchaus mit der Bologna-Reform in Einklang stehe. Vor "ideologischen Scheuklappen" warnte gestern auch der Präsident des Hochschulverbandes, Bernhard Kempen: Mecklenburg-Vorpommern gehöre mit der Reform "zur Avantgarde im Europäischen Hochschulraum."

Im Kreis der Wirtschaftsverbände steht der Bau allerdings allein da: Bei einer Sitzung des Fachausschusses Bildung von BDI und BDA sprechen sich unlängst alle Mitglieder gegen das Diplom aus - dagegen votierte nur die Bauindustrie.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Diplom: Streit im Lager der Arbeitgeber"

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  • Der deutsche Dipl.-ing war mal in aller Welt geschätzt. Dies hat Rot-Grün zerstört.
    Es muß eine Rückkehr zum Dipl.-ing statt finden
    Dieses bachelor-Studium ist doch nichts weiter als ein bißchen Schule und produziert allenfalls Halbakademiker.
    Mit Gewalt wurde durch die Abschaffung unseres alten Studium, nämlich freie Lehre, eine gute bildung zerstört.
    Allerdings so wie MeckPom das will, geht es nicht. Sondern ordentlich nach alten Regeln

  • Die behauptung, die bauindustrie stünde alleine da, wenn sie für den Erhalt des bewährten Diploms eintritt, ist schlicht falsch. Für das Diplom ist inzwischen die große Mehrheit in Politik und unter den Fachverbänden. Als da wären: bundesbildungsministerin Schavan, bundesingenieurkammer, bauingenieur-Fachschaften-Konferenz, Fakultätentage (4iNG),TU9, bund Deutscher Vermessungsingenieure, Verband beratender ingenieure, Deutscher Hochschullehrerverband, bund Deutscher baumeister, CDU/CSU bundestagsfraktion, Rektoren und Präsidenten der Unis baden-Württemberg und bayern, Deutsche Physikalische Gesellschaft etc.. Die Zustimmung wächst, weil erkannt wurde, dass die Marke Dipl.-ing. ein Wettbewerbsvorteil für den berufsstand und für Deutschland ist. - Das kann auch unlautere berichterstattung, wie hier, nicht leugnen.

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