Diskussion um AKWs
Atomkraft: Bundesminister entzweit

Die Abschaltung gleich dreier deutscher Atomkraftwerke innerhalb weniger Tage ist aus Sicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) "außerordentlich beunruhigend".

HB BERLIN. "In allen drei AKW gibt es Probleme im Bereich der Maschinentransformatoren, obwohl alle drei Anlagen kurz zuvor in der Revision waren oder umfassend saniert wurden", sagte Gabriel am Samstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch die Grünen sahen sich in ihrem Anti-Atom-Kurs bestätigt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) warnte jedoch vor einer Dämonisierung der Atomkraft.

Der fast zwei Jahre lang stillgelegte Pannen-Reaktor in Krümmel bei Hamburg hatte sich Anfang Juli wenige Tage nach dem Wiederanfahren infolge eines Kurzschlusses selbst abgeschaltet. Am Freitag schaltete sich das AKW im emsländischen Lingen nach einem Zwischenfall ab, und in Philippsburg bei Karlsruhe wurde zur Suche eines Fehlers ein Reaktorblock vom Netz genommen. "Inzwischen sind sechs von 17 eigentlich noch laufenden Reaktoren vom Netz - aus Sicherheitsgründen wohlgemerkt", sagte Gabriel.

Zudem wurde am Samstag bekannt, dass ein von der Atomaufsicht gefordertes Sicherheitskonzept für Krümmel bei der Genehmigung des Neustarts und dessen Vollzug Mitte Juni noch nicht voll umgesetzt war. Das "Konzept zur Vermeidung des Eintrags von Fremdkörpern" in den Reaktordruckbehälter sei nur "teilweise umgesetzt" und werde "teilweise noch begutachtet", sagte der Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministeriums in Kiel, Oliver Breuer, dem Magazin "Spiegel". Bereits 2007 war dem Bericht zufolge entdeckt worden, dass Metallspäne Brennelemente beschädigt hatten. Für Nachfragen war Breuer am Samstag zunächst nicht zu erreichen.

Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, sagte mit Blick auf die erneute Abschaltung Krümmels: "Das ist der zweite Vorfall innerhalb kürzester Zeit." Deshalb seien die Pläne von Schwarz-Gelb, die Atomkraftwerke länger als geplant laufen zu lassen, "verantwortungslos".

Gabriel forderte nach den drei Abschaltungen: "Angesichts dieser Pannenserie sollte endlich auch die Kanzlerin (Angela Merkel, CDU) ihre Position zur Hochrisiko-Technologie Atomkraft überdenken." Trotz des Stillstands seien die Lichter nicht ausgegangen. "Das zeigt: Wir brauchen die Atomkraft nicht. Wenn die Union von einer "Brückentechnologie" redet, ist das reine Ideologie. In Wirklichkeit will sie neue Reaktoren."

Schavan dagegen erklärte: "Wer will, dass Deutschland bei der Energieversorgung eine vernünftige Perspektive hat, darf die Kernkraft nicht verteufeln." Es sei "verantwortungslos, die Pannen in Krümmel für Propaganda zu nutzen", sagte die CDU-Vizevorsitzende dem "Hamburger Abendblatt" (Samstag). Sie bekräftigte das Vorhaben der Union, die AKW-Laufzeiten zu verlängern und forderte, die Atomforschung wieder aufzunehmen.

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