Diskussion um Einheitskleidung
Stoiber für Flickenteppich bei Schuluniform

Das Thema Schuluniform erhitzt die Gemüter: Während sich immer mehr Politiker für den Zypries-Vorstoß begeistern, machen Lehrer- und Philologenverbände Front gegen die verpflichtende Einführung von Einheitskleidung. Grund: „Die problematische Tradition in Deutschland.“ Ministerpräsident Edmund Stoiber machte nun einen Kompromissvorschlag.

HB BERLIN. Nach dem Deutschen Lehrerverband hat sich am Montag auch der Deutsche Philologenverband (DPhV) gegen Schuluniformen ausgesprochen. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, erklärte: „Es ist völlig unrealistisch zu glauben, mit Schuluniformen ließen sich Integrationsprobleme lösen oder der Markenfetischismus bekämpfen.“ Meidinger wies damit einen entsprechenden Vorschlag von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zurück.

Zypries hatte sich am Wochenende für eine Art Schuluniform in Deutschland ausgesprochen. Angesichts der Debatte, ob muslimische Mädchen verschleiert zur Schule kommen dürfen oder nicht, sagte sie: „Hier gäbe es übrigens eine einfache Lösung zur Konfliktvermeidung - alle Schülerinnen und Schüler sollten einheitliche Schulkleidung tragen. Damit beseitigten wir nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben.“

Meidinger verwies darauf, dass es in Deutschland keine historisch unbelastete Tradition von Schuluniformen gäbe. Anders als etwa in England habe das Bild uniformierter Jugendlicher im Dritten Reich in der Bundesrepublik eine wohlbegründete Abneigung gegen Schuluniformen entstehen lassen. „Auch dem Markenfetischismus beugen Schuluniformen nicht vor“, fügte Meidinger hinzu. „Denn Forscher haben herausgefunden, dass sich in Ländern mit Schuluniformen dieses Phänomen dann in andere Bereiche, zum Beispiel Handys und Uhren,verlagert.“

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Lohnender wäre es nach den Worten Meidingers, wieder verstärkt das Augenmerk darauf zu richten, dass Jugendliche ordentlich gekleidet in die Schule kommen. Auch durch Kleidung werde ein Signal dafür gesetzt, wie ernst man Schule nehme. Schlabberlook und bauchfreie Tops haben seiner Auffassung nach im Klassenzimmer nichts verloren. Auch der Lehrerverband hatte die Idee von Zypries, durch die Einführung von Schuluniformen könne religiöse und soziale Diskriminierung verhindert werden, am Wochenende als „äußerst naiv“ bezeichnet.

Großbritannien ist das Land der Schuluniformen

In der Politik findet der Zypries-Vorstoß dagegen immer mehr Freunde. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach sich für Schuluniformen an den Schulen im Freistaat aus. „Ich halte das für eine gute Idee“, sagte der CSU-Chef. Allerdings sei er gegen eine gesetzlich vorgeschriebene landesweite Uniformpflicht, da dieses Thema zu umstritten sei. „Die Schulen müssen aber die Möglichkeit haben, selbst über Einführung von Schuluniformen zu entscheiden“, betonte Stoiber. Folge dieser Entscheidungsfreiheit wäre allerdings eine Art Flickenteppich im Land, mit uniformfreien- oder verplichtenenden Schulen.

Doch auch Bildungsministerin Annette Schavan sympathisiert mit dem Einheitslook. Die CDU-Politikerin sagte der Tageszeitung „Die Welt“, wenn einheitliche Schulkleidung zur Identifizierung mit der Schule beitrage und Symbol einer Gemeinschaft aller am Schulleben Beteiligten sei, dann sei das zu begrüßen.

„Falls Schulkleidung darüber hinaus dem verbreiteten Markenwahn entgegenwirkt, umso besser“, zitierte das Blatt Schavan. Zugleich betonte sie jedoch, die Schulen müssten selbst darüber bestimmen können, ob sie Schuluniformen einführen wollten, „und zwar in Abstimmung mit allen am Schulleben Beteiligten“.

In Europa ist Großbritannien das Land der Schuluniformen. Dort sind Schulkinder an ihren blauen Pullovern und karierten Röcken oder blauen Hosen gleich erkennbar. Auch in Deutschland gab es immer wieder Versuche, Kindern und Jugendlichen Schulkleidung schmackhaft zu machen, etwa in Berlin, Hamburg und Brandenburg. In Baden- Württemberg hatte sich der heutige CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger 1997 in einem Grundsatzpapier für Schuluniformen stark gemacht.

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