Diskussion um NS-Vergangenheit
Oettingers Filbinger-Rede empört Zentralrat

Wütender Protest gegen Günther Oettinger: Der Zentralrat der Juden ist empört über die Rede Oettingers auf der Trauerfeier für den früheren baden-württembergischen Ministerpräsident Hans Filbinger. Von "grauenhaften Äußerungen" ist die Rede.

HB FREIBURG. Nach der Trauerfeier für den früheren baden-württembergischen Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) ist der Streit über dessen Zeit als NS-Marinerichter wieder voll entbrannt. Auslöser ist eine Rede des heutigen Regierungschefs Günther Oettinger (CDU) bei der Feier im Freiburger Münster, in der er Filbinger gegen seine Kritiker verteidigte.

„Hans Filbinger war kein Nationalsozialist“, sagte Oettinger. Der Zentralrat der Juden in Deutschland entgegnete wenig später, der Ministerpräsident sei wie Filbinger unbelehrbar. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der Filbingers Tätigkeit als Marinerichter 1978 öffentlich gemacht hatte, sagte, dieser sei zum Ende des Krieges ein „sadistischer Nazi gewesen“.

Zehn Tage nach Filbingers Tod hatten rund 700 Menschen an der Trauerfeier teilgenommen. Filbinger war 1978 zurückgetreten, als bekannt geworden war, dass er am Ende des Zweiten Weltkriegs als Marinerichter an Todesurteilen gegen deutsche Soldaten beteiligt war. Oettinger sagte hingegen: „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.“

Der CDU-Politiker fügte hinzu: „Er hatte nicht die Entscheidungsmacht und nicht die Entscheidungsfreiheit, die seine Kritiker ihm unterstellen.“ Der in Mannheim geborene Jurist Filbinger sei Gegner des NS-Regimes gewesen, habe sich den damaligen Zwängen aber beugen müssen. Dies müssten auch Filbingers Kritiker einräumen. Nach Angaben des Freiburger Historikers Hugo Ott war Filbinger nicht Mitglied in der NSDAP, allerdings habe er der NS-Kampforganisation Sturmabteilung (SA) angehört.

Zentralrats-Vizepräsident Dieter Graumann sagte zu Oettingers Rede: „Ich finde die Äußerung grauenhaft und sie transportiert auch die falsche Botschaft, sie bemäntelt die doch vorhandene Schuld eines Mannes wie Hans Filbinger.“ Tatsache sei, dass Filbinger an Urteilen mitgewirkt habe, durch die Menschen zu Tode kamen. Nach Graumanns Meinung hat Filbinger das NS-Regime „sehr wohl getragen“. „Er hat es bis zum Schluss nicht eingesehen und offenbar sieht es sein Nach-Nach-Nachfolger auch nicht ein“.

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