Diskussion um Staatshilfen
„Opel ist nicht zu groß für den Untergang“

Das Argument für Staatshilfen zugunsten von Banken sind stets die verheerenden Folgen einer Pleite. Nachhaltig untermauert wurde es durch die Turbulenzen nach dem Fall der US-Investmentbank Lehman. Wie aber sieht es mit Opel aus? Ist das Unternehmen zu groß, um es aufzugeben? Die Antwort von Chefvolkswirten und Wirtschaftsforschern ist eindeutig.

DÜSSELDORF. Aus Sicht von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, ist Opel nicht too big to fail. "In diesem Fall gibt es keinen systemischen Zusammenhang wie bei Banken. Wenn dort ein Institut fällt, fallen andere, und schließlich bricht die gesamte Wirtschaft zusammen", sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. Die Verflechtung von Autobauern und-zulieferern sei zwar sehr ausgeprägt. Der Sturz eines Herstellers würde aber aus Katers Sicht nicht die gesamte deutsche Wirtschaft in den Abgrund reißen.

Kater zeigte sich insgesamt skeptisch, was eine Auffanglösung der deutschen General-Motors-Tochter angeht. Er gab zu bedenken, in der Autoindustrie seien derzeit Überkapazitäten vorhanden und Produkte im Angebot, die nicht mehr in die Landschaft passten. "Ein Strukturwandel ist notwendig, das darf man vor lauter Krise nicht vergessen." Sinn einer Rezession ist ihm zufolge auch, diesen Wandel der Wirtschaft zu beschleunigen. Ein Eingreifen des Staates hält er nur zugunsten von Unternehmen für gerechtfertigt, die ohne den gegenwärtigen "exorbitanten Einbruch" überlebensfähig wären. Denn dass sie durch den exogenen Schock vernichtet würden, hält er für unnötig.

Sogar auf Ebene des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ist die deutsche GM-Tochter mit ihrem Werk in Bochum nicht zu groß, um sie fallen zu lassen, so die Einschätzung von Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

"Für die regionale Wirtschaft ist Opel sehr wichtig, und das Ende des Unternehmens wäre ein harter Rückschlag. Die gesamte nordrhein-westfälische Wirtschaft würde das spüren", sagte er zwar im Gespräch mit Handelsblatt.com. Allerdings wäre der Verzicht auf eine staatliche Rettungsaktion für die Region nach seiner Ansicht das geringere Übel. "Der Staat sollte die Umstrukturierung unterstützen und die sozialen Folgen abfedern." Schon einmal sei im Ruhrgebiet zu lange auf Strukturerhaltung gesetzt worden, sagte Schmidt. Er gab zu bedenken, die Probleme der Autoindustrie seien längerfristig und resultierten nicht nur aus der Krise.

Der RWI-Präsident warnte vor einem Dammbruch: "Wo soll das enden? Und woher soll der Staat das Geld dafür nehmen?" Schmidt empfände es als Anmaßung, wenn Politiker entscheiden würde, was erhaltenswert ist.

Die derzeitige Diskussion um Staatshilfen für Opel zeige nur," wie schnell Wirtschaftspolitik im Nirvana enden kann", sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, im Gespräch mit Handelsblatt.com. Ganz abgesehen davon, dass die Diskussion um Lösungskonzepte eine gefährliche Eigendynamik entwickelt habe.

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