Diskussion um verruchte Fotos
„Pauli ist nicht mehr ernst zu nehmen“

Die Stoiber-Kritikerin und Fürther Landrätin Gabriele Pauli (CSU) gerät nach ihrem Auftritt als Fotomodell mit Latexhandschuhen immer stärker in die Schusslinie der CSU-Spitze. Von einem „Schaden für die gesamte Partei und die Frauen in der Politik“ ist die Rede.

HB FÜRTH. So schnell kann es gehen: Vor wenigen Wochen noch war Gabriele Pauli strahlende Siegerin im Machtkampf mit CSU-Chef Stoiber. Nach den verruchten Magazinfotos der Fürther Landrätin organisieren die Parteigranden den Widerstand - allen voran der bayerische Ministerpräsident selbst.

Pauli betreibe „Selbstdarstellung zu Lasten der gesamten Partei“, sagte Parteichef Edmund Stoiber nach „Spiegel“-Angaben zu Parteifreunden. Der designierte Ministerpräsident und amtierende Innenminister Günther Beckstein (CSU) bekräftigte, in seinem Kabinett werde für Pauli kein Platz sein. Die Landrätin kündigte an, in jedem Fall mit der Politik weiter machen zu wollen. Zugleich reichte sie Beschwerde beim Presserat gegen die Veröffentlichung der umstrittenen Fotos ein.

Pauli hatte mit ihrer Dauerkritik an Stoibers Führungsstil maßgeblich zu dessen angekündigtem Rücktritt als Parteivorsitzender und Ministerpräsident beigetragen. Zuletzt sorgte sie mit Fotos in der Zeitschrift „Park Avenue“ für Aufsehen, die Pauli unter anderem mit Latex-Handschuhen und einer gemalten Gesichtsmaske zeigen. Stoiber sagte nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, jetzt zeige sich, dass diejenigen, die Pauli in den vergangenen Monaten gewähren ließen, der Partei geschadet hätten. Die Folgen dieser Fehleinschätzung seien bis heute noch nicht absehbar. „Jetzt ist der Geist aus der Flasche.“

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) kritisiert die Fotos. „Frau Pauli ist nicht mehr ernst zu nehmen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Huber will im September als CSU- Vorsitzender kandidieren. Nach seiner Auffassung schadet Pauli „dem Ansehen der Frauen in der Politik gewaltig“. Beckstein sagte der „Bild am Sonntag“, Pauli habe sich stark verändert. „Es ist wohl so, dass nicht sie die Medien beherrscht, sondern die Medien Macht über sie gewonnen haben.“ Er empfinde die Fotos als peinlich.

Pauli reichte wegen der Veröffentlichung der Fotos indes Beschwerde beim Deutschen Presserat ein. Die Landshuter Anwaltskanzlei Ernst Frick erklärte, die Fotos unter der Überschrift „Sankt Pauli“ sowie aus dem Zusammenhang gerissene Zitate dienten dazu, den guten Ruf der Landrätin in der Öffentlichkeit zu zerstören. Pauli werde auch Schmerzensgeldansprüche geltend machen. „Park Avenue“-Chefredakteur Andreas Petzold hatte die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. Die Fürther Landrätin sei mit den zur Autorisierung vorgelegten Zitaten einverstanden gewesen.

Trotz der Presserats-Beschwerde verteidigte Pauli die Fotos. Solche Aufnahmen machten vielen Frauen auch Spaß, sagte sie in der am Samstag aufgezeichneten ARD-Sendung „Sabine Christiansen“, die am Sonntagabend gesendet werden sollte. „Von daher muss ich mich nicht als Politikerin verstellen und sagen: In dem Moment, wo ich in die Politik gehe, bin ich nicht mehr so wie ich bin, dann verhalte ich mich auch nicht mehr weiblich, ich werde dann so, wie alle anderen, so wie man mich gern hätte.“ Sie wolle in jedem Fall weiter Politik machen. „Egal, ob ich da schwarze Handschuhe auf dem Foto an hatte oder nicht.“ Davon hänge gute Politik nicht ab.

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