Wäre an diesem Sonntag Bundestagswahl, die Sozialdemokraten erlebten ein Desaster. Laut Infratest dimap käme die SPD nur auf 27 Prozent, die Union dagegen auf 40 Prozent der Stimmen. Und auch in Hessen sieht es nicht gut aus. Zwar droht CDU-Ministerpräsident Roland Koch der Verlust der absoluten Mehrheit. Die SPD würde laut Forsa trotzdem nur 26 Prozent bekommen.
Desinteresse, das ist das Dilemma der Politik, aber vor allem der SPD, und das ist auch das Dilemma von Michael David. Vorwiegend ältere Damen sind unterwegs auf der Suche nach einem Pläuschchen. Und David ist nett, vielleicht zu nett. Er tritt neu an als Landtagskandidat. Sein Resümee nach einer guten Stunde: „Jetzt weiß ich alles über den Garten.“ Da kommt schon eine neue Interessentin. „Ja, stehen denn schon wieder Wahlen an?“ fragt die betagte Frau. „Ob ich dann noch leben werde?“
Auch für die SPD geht es darum, ums Überleben, ums Wahrgenommen-Werden: „Wir gehen unter“, klagt David über die Probleme der Partei in der Großen Koalition in Berlin. Die Union rückt immer weiter in die politische Mitte, in der Familienpolitik klaut sie ungeniert der SPD die Ideen. Und vom linken Rand schöpft die Linkspartei die Wähler ab, wanzt sich bei den Gewerkschaften an. Dazwischen die Sozialdemokraten ohne Profil, ausgequetscht wie eine Zahnpastatube.
Dennoch steht David fest zu Kurt Beck, er verbringt fast jedes Wochenende für die Partei, ohne Gegenleistung: „Ich bin absolut solidarisch.“ Aber hier in Wiesbaden, sagt David, spiele Bundespolitik eigentlich keine Rolle.
Eigentlich. Denn plötzlich ist doch jemand da, dieses Ehepaar, dass sich mal grundsätzlich Luft machen will. „Mit dene hättet ihr net zusammengehe dürfe. Überall nur Verluste.“ Und während die Frau sich über die Große Koalition echauffiert, hat ein 80-jähriger Parteigenosse von David gleich schon den Schuldigen für die Misere der Partei ausgemacht. „Dass ausgerechnet ein Sozialdemokrat die Arbeitszeit auf 67 angehoben hat“, sagt der Mann und meint Franz Müntefering, „das war ein Riesenfehler.“
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