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18.10.2007 

Ja, der Franz und der Kurt. Wo immer man nachfragt: Die Basis intoniert den immergleichen Song. Alle stehen hinter Kurt, alle singen sein Remake: zurück zur sozialen Gerechtigkeit.

Wilhelmshaven, 12.00 Uhr mittags im Oktober. Der Fotograf, der Aufnahmen für die Großflächenplakate macht, gibt Anweisungen zum Lächeln. Erst ernst schauen, dann immer heiterer werden. „Jetzt denken sie mal an Schröder, jetzt an Müntefering. Und jetzt an Beck.“ Holger Heymann schafft das spielend. Auch das mit dem breiten Grinsen, als der Parteichef ins Spiel kommt. Im Radio läuft soeben der Lieblingssong von Ex-Kanzler Schröder. „Wind of change“ heulen die Scorpions.

Der Wind hat tatsächlich gedreht, nur weht er der SPD jetzt frontal ins Gesicht. Wo könnte man das besser beurteilen als in Ostfriesland, wo man die Einwohner daran erkennt, dass sie sich beim Radfahren tief über den Lenker beugen. Auch hier wählen die Menschen SPD, noch ist sie eine Volkspartei – und Heymann wahrscheinlich ihre Zukunft.

29 Jahre jung, ein hochgewachsener Strahlemann mit blondem Scheitel. Sein Wahlkreis 86 mit dem Zentrum in Esens, wo er zugleich als stellvertretender Filialleiter der Oldenburgischen Landesbank arbeitet, umfasst fünf ostfriesische Inseln. Wie sein Kollege David in Wiesbaden ist er Angreifer, will erstmals in den Landtag. Doch der ist in Niedersachsen zurzeit schwarz-gelb dominiert und wird es wohl im nächsten Jahr auch bleiben. In Niedersachsen ist die SPD von einst stolzen 47,9 Prozent 1998 auf heute 34 Prozent gesunken. Die CDU dagegen liegt bei 43 Prozent.

Aber Heymann ficht das nicht an, er ist zumindest schon mal bekannt. „Mach mal so weiter“, rufen ihm die Menschen auf dem Wochenmarkt in Esens zu. Heymann spricht Platt, das mögen die Leute hier. Und er denkt pragmatisch. Windkrafträder? Ja, sagt Heymann. „Aber man darf einen Ort auch nicht damit zuballern.“ Biogasanlagen? Gute Sache, allerdings nicht zu viele. „Das fördert die Monokultur.“

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Die Rolle der Bundespolitik.

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