Britta Ernst, die Sozialökonomin in grün-braunem Rock, passender Jacke, ist schnell, offen, aber zugleich mehr Profi als David und Heymann. Fragt man sie nach dem Streit zwischen Beck und Müntefering, kann sie den so lange leugnen, bis das Nachhaken keinen Spaß mehr macht. „Normale Diskussionskultur.“ Und die Umfragewerte? „Umfragewerte interessieren mich nicht.“
Wohl auch, weil die Werte für die Hamburger SPD derzeit ebenfalls mau sind. Laut ARD-Umfrage kann die CDU auf 42 Prozent hoffen, die SPD nur auf 32 Prozent. Und Naumann liegt im Rennen um den Posten des Ersten Bürgermeisters abgeschlagen hinter Ole von Beust. Ist die Rückkehr zum Thema soziale Gerechtigkeit wirklich richtig? „Ja“, beharrt Ernst, „ich bin bei Beck.“
Aber die Bundespolitik, sagt Britta Ernst dann, spiele hier eigentlich keine Rolle.
Eigentlich. Und dann ist sie doch noch da, im Seniorentreff der AWO, die Debatte um das Arbeitslosengeld, Hartz IV und den Mindestlohn. „Viele können von ihrer Arbeit gar nicht mehr leben“, sagt eine Dame, und die Tischnachbarn nicken. Und dann wird diskutiert, wer zu viel hat in Deutschland und wer zu wenig.
Die SPD jedenfalls hat zu wenig Stimmen und zu viele, die durcheinander singen. Aber glaubt man der Basis, wird der Kurt Beck schon bald wieder Harmonie herstellen im Gesangverein.

