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DIW-Chef Zimmermann im Handelsblatt-Interview: „500 Euro Studiengebühr sind nur Einstieg“

DIW-Chef Klaus Zimmermann rechnet mittelfristig mit Studiengebühren in Höhe von 2500 Euro pro Semester. Lesen Sie hier das Handelsblatt-Interview mit dem Wirtschaftsforscher:

DIW-Chef Klaus Zimmermann
DIW-Chef Klaus Zimmermann

Welche Bedeutung hat die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das generelle Verbot von Studiengebühren zu kippen?

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Ich bin sicher, dass wir gestern einen historischen Augenblick erlebt haben: Das Urteil markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die deutsche Bildungspolitik. Die Entscheidung des Gerichts öffnet die Tür für mehr Wettbewerb im Hochschulwesen – und das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass unsere Universitäten international konkurrenzfähig werden können.

Kritiker fürchten, dass es zu einem Ansturm der Studenten auf die Unis kommt, wo das Studium weiter kostenlos ist.

Der Wettbewerb wird dieses Problem lösen. Schließlich sind Universitäten, die Geld von ihren Studenten verlangen, gezwungen, dafür auch eine bessere Leistung anzubieten. Mittelfristig wird kein Bundesland darum herumkommen. Die Finanznot ist in allen Ländern groß, und die Leistungskraft der Universitäten gering – es wird einen Domino-Effekt geben. In ein paar Jahren wird es selbstverständlich sein, dass ein Student für sein Studium bezahlen muss.

Wie hoch sollten die Gebühren sein?

Klar ist, dass die 500 Euro pro Semester, die derzeit diskutiert werden, nur ein Einstieg sein können. Auf die Dauer ist das viel zu wenig, um den Universitäten Anreize zu geben, ihre Studenten als Kunden zu betrachten. Ich rechne damit, dass ein Studiengang an einer durchschnittlichen deutschen Uni in fünf Jahren etwa 2500 Euro pro Semester kosten wird. Das klingt nach viel, wäre aber im internationalen Vergleich immer noch wenig. Spitzenhochschulen in den USA verlangen von ihren Studenten pro Semester 30 000 bis 40 000 Dollar.

Was passiert dann mit Studenten, die aus kleinen Verhältnissen kommen und so viel Geld nicht haben?

Der Blick ins Ausland zeigt, dass sich dieses Problem lösen lässt. Die Länder, die Studiengebühren erheben, haben gleichzeitig ein Stipendien- und Darlehenssystem für junge Leute, die fachlich qualifiziert sind, aber kein Geld haben. Wenn das der Markt nicht aus eigener Kraft schafft, wäre der Staat gefragt – zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Die Fragen stellte Olaf Storbeck.

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