_

DIW-Studie: Atom-Steuer für Betreiber leicht zu stemmen

Das Institut für Wirtschaftsforschung nimmt dem Argument, die Betreiber von Atomkraftwerken könnten sich Zusatzabgaben und Steuern nicht leisten, den Wind aus den Segeln. Das DIW erklärt, dass die Laufzeitverlängerung soviel Gewinn bedeute, dass die Mehrbelastung locker zu leisten seien.

Laufzeitverlängerung schlägt Brennelementesteuer: AKW-Betreiber dürften satt im Plus bleiben. Quelle: ap
Laufzeitverlängerung schlägt Brennelementesteuer: AKW-Betreiber dürften satt im Plus bleiben. Quelle: ap

HB BERLIN. Die Kraftwerksbetreiber in Deutschland können bei längeren Laufzeiten ihrer Atommeiler nach einer DIW-Studie die geplante Atom-Steuer und wohl auch eine zusätzliche Abgabe aus wirtschaftlicher Sicht locker verkraften.

Anzeige

Bliebe der Strompreis bei etwa 6,5 Cent pro Kilowattstunde stabil, würden die großen Stromproduzenten einen Zusatzgewinn von 6,4 Mrd. Euro im Jahr einfahren, errechnete die DIW-Expertin Claudia Kemfert. Abzüglich der Brennelementesteuer, die dem Staat 2,3 Mrd. Euro jährlich in die Kassen spülen soll, wären es immer noch 4,1 Mrd. Euro mehr. „Wenn der Strompreis nicht zu sehr sinkt, könnten sich die Energiekonzerne sowohl die Brennelementesteuer als auch die Zusatzabgabe leisten“, sagte Kemfert am Donnerstag. „Sie würden von einer Laufzeitverlängerung immer noch profitieren“, ergänzte sie.

Knapper sähe es aus, sollte der Strompreis um gut ein Fünftel auf fünf Cent pro Kilowattstunde sinken. Dann kämen die Konzerne durch die Laufzeitverlängerung auf nicht ganz vier Mrd. Euro Zusatzgewinn. Nach Abzug der 2,3 Mrd. Euro für die neue Atom-Steuer wäre die Masse für zusätzliche Abgaben mit 1,6 Mrd. Euro nicht mehr ganz so groß. Viel mehr Spielraum gäbe es, wenn der Strompreis auf 7,0 Cent pro Kilowattstunde stiege. Das würde für die Konzerne 7,2 Mrd. Euro an Zusatzgewinn wegen der längeren Laufzeiten bedeuten und auch nach Abzug der Brennelementesteuer noch fast fünf Mrd. Euro bei ihnen belassen, aus denen eine zusätzliche Abgabe gespeist werden könnte.

Die Bundesregierung hat sich schon vor Wochen auf die Einführung einer Brennelementesteuer geeinigt, um damit einen Beitrag zur Rückführung der Schuldenaufnahme in den nächsten Jahren zu leisten. Im Gespräch ist darüber hinaus auch noch eine weitere Abgabe auf die Zusatzgewinne einer Laufzeitverlängerung für Atomanlagen, aus denen die Entwicklung erneuerbarer Energien mitfinanziert werden sollte. Umweltminister Norbert Röttgen hatte kürzlich ins Spiel gebracht, die Brennelementesteuer als einziges Instrument zu nutzen, um damit sowohl Mittel zur Haushaltskonsolidierung zu erwirtschaften als auch zur Förderung erneuerbarer Energien. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vergangene Woche erklärt, der Spielraum für eine zusätzliche Abgabe sei nicht sehr groß. Die Unternehmen müssten unter anderem für einen längeren Betrieb ihrer Atomkraftwerke auch in Sicherheit investieren. Die Regierung könne die Energieunternehmen nicht so belasten, dass sie zum Schluss gar nicht mehr rentabel arbeiten könnten.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.