DIW-Studie
Einkommensunterschiede nehmen weiter zu

Die Unterschiede beim Einkommen zwischen Ost- und Westdeutschland haben weiter zugenommen. Einer Studie zufolge sind im Osten inzwischen auch deutlich mehr Haushalte von Sozialtransfers abhängig. Zudem halte die Abwanderung in den Westen ungemindert an.

HB BERLIN. Soziale Leistungen und Renten hätten 2002 knapp 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens in Ostdeutschland ausgemacht, hieß es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Westen war es nur reichlich ein Viertel. Ursache sei der schrumpfende Anteil von Menschen mit Erwerbseinkommen im Osten.

Vor allem junge Frauen suchten sich in anderen Regionen eine Arbeit. Dagegen nahm der Anteil an Rentnerhaushalten zu. Da aber die Zahl der Haushalts-Mitglieder im Osten stärker zurückging als im Westen, fiel Ostdeutschland bei den mit dem Bedarf gewichteten Einkommen seit Mitte der 90er Jahre nur wenig hinter Westdeutschland zurück.

Anfang der 90er Jahre waren die Haushaltseinkommen im Osten in Folge der Wiedervereinigung noch enorm gestiegen, vor allem wegen rasanter Lohnsteigerungen und den damit einher gehenden Rentenanpassungen. Danach kam es der Studie zufolge in der zweiten Hälfte der 90er Jahre nur noch zu mäßigen Zuwächsen bei den Erwerbseinkommen. Gleichzeitig wanderten aber immer mehr Menschen ab, weniger Kinder wurden geboren und ein größerer Anteil der Menschen bezog Rente und Sozialtransfers wie Sozialhilfe.

Ins Gewicht fiel dem DIW zufolge insbesondere der Rückgang bei der Zahl der Kinder je Haushalt um 40 Prozent in den ostdeutschen Ländern seit Beginn der 90er Jahre. Die Zahl der Single-Haushalte ist dagegen rasch gewachsen. Die meisten ostdeutschen Haushalte erzielen außerdem ein gemessen am Westen unteres oder mittleres Einkommen und sind bei den höheren Einkommen unterrepräsentiert. Dabei sank seit der Mitte der 90er Jahre der Anteil der Haushalte mit mittleren Einkommen im Osten.

Als problematisch wertet das DIW, dass die Transfers im Osten anders als im Westen mittlerweile die Einkommensteuern und Sozialabgaben deutlich übersteigen: „Eine Konstellation, die in einer geschlossenen Volkswirtschaft unmöglich wäre bzw. zu deren raschem Kollaps führen würde.“ Sie sei nur möglich, weil die neuen Länder solidarisch von den alten unterstützt würden, was aber dann den Wirtschaftskreislauf im Westen beeinträchtige.

Als Fazit aus der Studie zog das DIW: „Ohne eine stärker von der Inlandsnachfrage getragene Belebung wird der Osten kaum aufschließen können.“ Ansonsten drohe dort ein sich selbst verstärkender Abschwung, da die Bevölkerung weiter abnehme.

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