DIW-Studie
Reiche zahlen die höchsten Steuern

Die Wohlhabenden in Deutschland leisten einen erheblichen Beitrag zur Umverteilung. Nach einer Studie zahlen die obersten zehn Prozent über die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Nur eine radikale Minderheit entzieht sich dem Fiskus komplett.

BERLIN. Die reichen Bundesbürger tragen erheblich zur Finanzierung des Staates bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue DIW-Studie über die „Effektive Besteuerung der Top-Einkommen in Deutschland“. Die Einkommensteuer trägt demnach deutlich zur Umverteilung von reich zu arm bei: Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung zahlen 55 Prozent des Einkommensteueraufkommens, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung nur 5,1 Prozent dazu beiträgt. Die Steuerprogression wirkt dabei tatsächlich so wie sie soll: Die starken Schultern tragen eine stärkere Steuerlast als die schwachen, weil der effektiv gezahlte Steuersatz mit der Höhe des Bruttoeinkommens steigt.  

Die Wirtschaftsforscher um Stefan Bach haben für die Studie die Daten der Finanzstatistik über die Steuererklärungen mit den Ergebnissen der regelmäßigen Umfrage zu den Lebensgewohnheiten (Sozio-ökonomisches Panel) zusammengebracht. Erstmals wurden dabei auch die Steuerzahlungen der reichsten 460 Haushalte, die 0,001 Prozent der Steuerzahler stellen, komplett ausgewertet. „Die Studie erfasst natürlich nicht mögliche hinterzogene Steuern“, sagte Bach. Sie umfasst die Jahre 1992 bis 2002, dem letzten Jahr, für das die Finanzstatistik vollständig vorliegt.

Die Umverteilung im Einkommensteuersystem funktioniert so, dass die reichsten zehn Prozent der Bürger zugunsten der ärmsten 50 Prozent abgeben müssen: Sie erzielten 32,2 Prozent der Bruttoeinkommen, aber nur 29 Prozent der Nettoeinkommen. Am meisten abgegeben hat im Jahr 2002 das reichste Prozent: Sie erreichten 8,9 Prozent des Bruttoeinkommens, aber nur 6,9 Prozent vom Netto. Das reichste Prozent steht für etwa 460 000 Steuererklärungen, die von den reichsten 650 000 Erwachsenen (zum Teil Ehepaare) eingereicht wurden. Die Größe des Umverteilungseffekts hat sich über den Zehn-Jahres-Zeitraum nicht verändert.

Kaum verändert hat sich seit den späten 90er Jahren die effektive Steuerlast auf das steuerpflichtige Bruttoeinkommen: Es liegt für die untere Einkommenshälfte 2002 bei 15,7 Prozent und für das obere Zehntel bei 32,3 Prozent. Allerdings konzentrieren sich hohe Einkünfte in Deutschland bei den 460 000 Bestverdienern, deren effektive Steuerlast über 44 Prozent erreichte. Diese Gruppe hat als einzige signifikant von den rot-grünen Steuersenkungen profitiert: 1998 zahlten sie noch fast 50 Prozent Steuern.

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