Doktor-Titel
Schavan findet im Netz auch Mitgefühl

Die Entscheidung der Düsseldorfer Universität, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen, hat viele Reaktionen ausgelöst. Dabei fällt auf: Relativ wenig Häme ist dabei und Hochachtung vor der Entscheidung der Uni.
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DüsseldorfDer Entzug des Doktortitels von Bildungsministerin Schavan wird im Netz heiß diskutiert. Hätte sie die Universität angezündet und wäre erst 33 Jahre später dafür verantwortlich gemacht, dann hätte Anette Schavan von Verjährung der Tat profitiert, meint Twitter-Nutzer Alexander von Below (@avbelow). Nicht so im Falle des Plagiats, das die Hochschule der Bundesministerin vorwirft. Der zuständige Fakultätsrat der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend entschieden, Schavan den Doktortitel wegen Täuschung bei der Dissertation abzuerkennen.

Doch trotz der Begründung der Universität, die Schavan vorwirft „systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation“ gedankliche Leistungen vorgegeben zu haben, die „sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“, hält sich Hohn oder Spott über die Ministerin im Internet in Grenzen – auch wenn viele einen Rücktritt für unvermeidlich halten. Die Schlagworte Schavan, Doktortitel und Uni Düsseldorf gehören auch am Mittwochmorgen zu den meist diskutierten im Kurznachrichtendienst Twitter.

Natürlich gibt es auch ironische Äußerungen wie die von Ex-Tennisprofi Boris Becker („Bin ich froh, dass ich keinen Doktortitel habe ...“), aber Schavan findet auch Unterstützung. „Nicht zu vergleichen mit Guttenberg“ sei der Fall meint etwa die Autorin Anja Dostert (@_the_art_of_running).

Der einstige Hoffnungsträger der CSU, Karl-Theodor zu Guttenberg, war ebenfalls mit einem Plagiat aufgeflogen, in das er unter anderem Arbeiten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages eingearbeitet hatte. „Ich sehe bei Frau Schavan nicht den Hochmut und die krasse Verfehlung, die jetzt (...) Gejohle rechtfertigen würde“, urteilt auch Twitter-Nutzer @dieterjosef.

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Entscheidung der Uni erntet Lob

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  • mein Mitgefühl sieht so aus: alle Banker sind verkommen, und das macht nicht Halt bei den plagiatsträgern.

  • Die nächste Ausrede von Frau Schavan ist wahrscheinlich, daß in damaliger Zeit ein großer Mangel an Satzzeichen geherrscht habe.
    Hier bitteschön, Frau Ex-Doktor, für das nächste Mal:
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  • Der Doktorvater, welcher damals die Arbeit durchgewunken hat, hat aber seine eigene damalige Nachlässigkeit nicht in das Urteil über andere einfließen lassen. Oder?

    Nebenbei gibt es einen (ausnahmsweise) guten Artikel im Spiegel über die damaligen Misstände an der Uni. Demnach wäre es nur fair, wenn sich die Uni selber executiert!

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