Doktorarbeit Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Vroniplag-Gründer Martin Heidingsfelder sagt, es könne nicht sein, dass Bildungsministerin Annette Schavan nicht weiß, wie man richtig zitiert. Nach heftiger Kritik an ihrer Dissertation solle sie lieber zurücktreten.
Update: 30.05.2012 - 11:19 Uhr 25 Kommentare
Annette Schavan soll eigene Publikationen in ihrer Dissertation verwendet haben - ohne die Zitate kenntlich zu machen. Quelle: dpa

Annette Schavan soll eigene Publikationen in ihrer Dissertation verwendet haben - ohne die Zitate kenntlich zu machen.

(Foto: dpa)

AugsburgBundesbildungsministerin Annette Schavan muss sich gegen neue Plagiatsvorwürfe bei ihrer Doktorarbeit verteidigen. Der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, wirft der CDU-Politikerin vor, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bislang bekannt. „Auf über 33 Prozent der Seiten finden sich Plagiate bei Frau Schavan“, sagte der Erlanger Plagiatsexperte der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwochausgabe) nach einer Überprüfung der 32 Jahre alten Doktorarbeit.

Heidingsfelder wirft Schavan vor, sie habe nicht nur auf 65 Seiten von anderen Autoren abgeschrieben und nicht korrekt zitiert, sondern unerlaubterweise auch alte eigene bereits veröffentlichte Texte übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Heidingsfelder kritisiert dies als „Eigenplagiate auf 55 Seiten der Dissertation“. Insgesamt seien damit auf 110 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten.

VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder rät der Bundesbildungsministerin zum Rücktritt. Quelle: dpa

VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder rät der Bundesbildungsministerin zum Rücktritt.

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Der VroniPlag-Gründer stellt sich damit ausdrücklich hinter den bislang anonymen Betreiber der Internetseite schavanplag.wordpress. „Mein Vorwurf ist nicht anonym“, betonte Heidingsfelder und forderte die CDU-Politikerin zum Rücktritt auf: „Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein.“ Heidingsfelder stellte seine Ergebnisse über Schavans Doktorarbeit inzwischen als eigene offene Plattform SchavanPlag Wiki (http://de.schavanplag.wikia.com/wiki/Schavanplag_Wiki) ins Internet. Schavan hatte 1980 mit der 351 Seiten umfassenden Arbeit „Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ an der Universität Düsseldorf den Doktortitel erlangt. Die Universität Düsseldorf prüft derzeit Schavans Dissertation.

Heidingsfelder gilt als bekanntester deutscher Plagiatjäger. Er wirkte bereits bei der Aufdeckung ähnlicher Vorwürfe gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

Der zuständige Promotionsausschuss der Universität Düsseldorf prüft die Plagiatsvorwürfe weiterhin. Das Gremium der Philosophischen Fakultät aus Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern beschaffe sich dafür die Dissertation Schavans und weitere notwendige Literatur im Original, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität am Mittwoch. Wann ein Ergebnis vorliege, sei noch „völlig offen“. Zugleich betonte er: „Der Ausschuss führt seine Arbeit unabhängig von dem, was aktuell in den Medien diskutiert wird, weiter“.

  • afp
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25 Kommentare zu "Doktorarbeit: Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan"

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  • Fazit aus diesem ganzen Theater ist, dass man heute wohl besser dran it, wenn man keinen Dr. hat

  • "Eigenplagiate auf 55 Seiten der Dissertation“.
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    wenn es strafbar ist,von sich selber abzuschreiben,ohne dies extra deutlich zu machen,so bleibt sie doch die Urheberin,auch wenn es während der Arbeit an der Dissertation,es schon zu öffentlich gemachten vor sich hindenkens kam.Damit holt man sich dann auch Rückhalt,auf dem richtigen Weg zu sein und darin fortzufahen.
    Ist ja albern,diese Gedankenpolizei.
    Claudia Roth bekleidet ihr Amt ganz ohne Gedanken und ohne eines Abschlußes.Ein Plappermäulchen,welche sich nie darüber Sorgen machen muß,das irgendwer sie plagiert.

  • margrit117888,

    Rücktritt reicht nicht. Besser ist es, das ganze Ministerium aufzulösen und dem Wirtschaftsministerium anzugliedern.

  • Und wann tritt die Dame nun endlich zurück?

    Ich liebe all diese Leute, angweblich ja so christlich und redlich, sind sie offenbar die größten Betrüger

  • Koboldo
    richtig. Die Profs trifft eine Mitschuld
    Allerdings muß man ihnen zu Gute halten, dass sie nicht alles lese können und ein Akademiker nicht fälscht
    So etwas wäre z. B. an einer Bundeswehr-Uni nicht möglich. Denn dort sind die Regeln so hart, dass da keiner wagen würde, seine Karriere wäre sofort beendet. Denn von einem Offizier muß man Anstand verlangen können, dass sind die feinen aber mMn guten Unterschiede
    Nochnicht mal bei einerHausarbeit oder gar Dipl-Arbeit wäre das möglich

  • Alfred55,

    genau,entschädigen wir die kleinen Sünder rechts von der Mitte mit einem Alterruhesitz an der Costa Brava und die links von der Mitte mit einem Altersruhesitz am
    Lido di Camaiore.

  • Ein Witz, nach 32 Jahren macht man da noch so einen Aufstand. Mami, Mami ich will ins Fernsehen.
    Die jetzt mit Schaum vor dem Mund Schavan verteufeln sind einfach nur Vollpfosten, die nicht mal die unterste Etappe kommen in der ich eine Dissertation schreiben. darf.
    Nebenbei, die Promovierung sollte nur den Naturwissenschaftlern vorbehalten sein, für die anderen sollte ein Literaturnachweis gelten. Also Autor der Studie , oder so.

  • Plagiatjäger..zu was manche sich doch so berufen fühlen.
    Wird das gut bezahlt oder ist das ein Hobby.
    "Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“setzt zum Glück
    kein Skapell voraus...Auf die Zeit heute,also 40 Jahre später,müßten selbst die nicht zitierten Stellen neu bewertet werden..Der Mensch hat sich maßgeblich gewandelt.
    Mit 57 Jahren,sollte sie das nicht mehr tangieren.


  • Dieser Fall dokumentiert wieder einmal mehr, die fachliche und moralische Qualität unserer politischen Führung. Die Forderung nach Rücktritt ist das Mindeste, was im Falle Schavan zu fordern ist. Eine Schande für den gesamten wissenschaftlichen Bereich in Deutschland; ebenso ein Armutszeugnis für den Doktorvater, der diese Arbeit begleitet hat. Es sei die Frage gestellt, wie lange sich Deutschland solche Leute noch leisten kann, ohne international endgültig das Ansehen und den Anschluss zu verlieren.

  • Eigentlich der Witz des Tages:

    die Bildungsministerin ist beim Abschreiben erwischt worden! Hat ein Bildungsminister keine Vorbildfunktion?

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