Dokumentation
Auszüge aus Köhlers Rede

Bundespräsident Horst Köhler hat die Deutschen zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung aufgerufen.

HB ERFURT. Wir dokumentieren Passagen aus seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am Sonntag in Erfurt:

„...Die alte Bundesrepublik hatte schon 1989 viele Veränderungen verschlafen, die eigentlich nötig waren. Dann haben wir alle vom Aufbau in Ostdeutschland zu schnell zu viel erwartet.

...Es war und bleibt richtig, dass Helmut Kohl und Lothar de Maizière damals entschlossen gehandelt haben, um die Einheit rasch zu erreichen. Aber uns allen, auch dem Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen Horst Köhler, fehlte damals die Zeit oder die Weitsicht, um im Zuge der Vereinigung wenigstens einige der im Westen überfälligen Reformen anzugehen.

...Verschuldung, Wirtschaftsschwäche und das Altern der Gesellschaft verschärfen sich gegenseitig. ...Aber ohne Anstrengung geht es nicht, und auf diese Anstrengung stellen wir uns immer noch nicht gut genug ein. Wir stehen also vor einem Berg von Aufgaben. Manchem scheint er unüberwindlich. Ich bin überzeugt: Wir können und werden diesen Berg überwinden.

...Leider gibt es bei uns die Neigung, die Dinge in düsteren Farben zu malen und Erfolge kleinzureden. Aber nehmen Sie den Aufbau Ost: Was da in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten geleistet worden ist, das ist großartig.

...Aber die harte Realität ist auch: Es fehlen Unternehmen und Hunderttausende produktiver Arbeitsplätze. ...Wir dürfen uns nirgendwo mit Arbeitslosigkeit abfinden, egal, ob in Nord, Süd, West oder Ost! Darum muss die Aufbauarbeit natürlich weiter gehen. So ist es ja im Solidarpakt II für die nächsten 15 Jahre auch vereinbart, und niemand darf das in Frage stellen. Es ist aber gut, wenn wir jetzt auch prüfen, wie wirksamer gefördert werden kann.

...Nicht allein Ostdeutschland, sondern ganz Deutschland muss erneuert werden, um uns eine gute Zukunft zu sichern. ...Die ersten Schritte sind getan. Wir dürfen nur nicht schon wieder stehen bleiben und können uns keinen Zickzackkurs mehr leisten, und erst recht dürfen wir nicht zurückweichen vor der Dimension der noch notwendigen Veränderungen.

...Wäre es also nicht gut, wenn sich alle in Deutschland ein Versprechen geben, ein Versprechen, dem alle vertrauen können und das lautet: „Wir trauen Dir etwas zu. Wir wollen Dir von Kindesbeinen an immer so gute Chancen wie nur möglich eröffnen, aber Du musst auch mitmachen. Wir helfen Dir, wenn Deine Kraft nicht reicht oder wenn Dich ein Unglück trifft, aber wir helfen nur den wirklich Bedürftigen, nicht den Bequemen. Erprobe Deine Kräfte und mach das Beste aus Deinen Talenten, aber tu es so, dass es unseren Zusammenhalt stärkt.'

...Wir müssen alles verbessern: von Kindergarten und Schule bis Lehrwerkstatt und Universität. ...Wenn wir nicht das nötige Geld in die Ausbildung unserer Kinder investieren, dann machen wir sie auch heute noch zu Sklaven ihrer Unwissenheit und der Verhältnisse.

...Mehr Arbeit, ein Bildungswesen von Weltrang, das richtige Maß staatlichen Handelns und eine moderne föderale Ordnung: das sind vier große Schritte aus der Krise - gewiss nicht die einzigen, die nötig sind, aber besonders wichtig.

...Wir können keinen verfassungsfeindlichen Extremismus gebrauchen. Unser Grundgesetz ist die beste Verfassung, die Deutschland je hatte. ...Wir müssen die Enttäuschten ernst nehmen und mit überzeugenden Gründen zurückgewinnen, und wir müssen wachsam sein - und das werden wir!“

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