Dokumentation
Gabriels Alarm-Mail im Wortlaut

Mit einer für SPD-Verhältnisse ungewöhnlich schonungslosen Bestandsaufnahme über den Zustand der SPD hat sich der künftige Parteivorsitzende bereits gut drei Wochen vor seiner Wahl zu Wort gemeldet – per E-mail an mehrere ratlose Genossen. Die Inhalte in Auszügen.
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HB BERLIN. Der designierte SPD-Chef Sigmar Gabriel geht in einem Schreiben an mehrere Parteimitglieder, die sich zuvor an ihn gewandt hatten, hart mit seiner Partei ins Gericht. Handelsblatt.com dokumentiert Auszüge des Briefes:

„(...) Ich kann den Frust und Ärger in unserer SPD gut nachvollziehen, denn - das glaub mir bitte - mir und allen anderen hier in Berlin geht es auch so. Und das nicht, weil wir unsere Ministerien oder Jobs räumen müssen, sondern weil sich unsere SPD in einem katastrophalen Zustand befindet. Wir werden lange brauchen, uns davon zu erholen.(...)

Außerdem ist die SPD zu einer Partei geworden, in der die Mitglieder meist zu Förder-Mitgliedern degradiert wurden: ohne jeden wirklich Einfluss, ohne wirkliche Meinungsbildung von unten nach oben. Ich weiß natürlich, dass auch politische Meinungsführerschaft in einer Partei wichtig ist. Nur Basisdemokratie funktioniert ebenso wenig wie nur per Dekret von oben alles vorzugeben (und dann zu behaupten, dass diejenigen, die das infrage stellen, der Partei öffentlich schaden). Politik ist Führen UND sammeln. In den letzten Jahren haben wir nur geführt, nie gesammelt.

Deshalb braucht die SPD eine grundlegende Reform auch ihrer eigenen Willensbildungsprozesse. Warum eigentlich nicht auch ab und an bei wichtigen Entscheidungen eine Urabstimmung der Mitglieder?

(...) Die Wahrheit ist doch, dass sich die SPD in den letzten Jahren tief gespalten hat in Flügel. Und wir immer weniger gemerkt haben, dass wir EINE Partei sein müssen, um zu überzeugen. Diese Flügelbildung ist allerdings auch eine Folge der mangelhaften Diskussion über politische Inhalte.

(...) Insofern ist die schwierige Diskussionskultur mit Ursache für diese - aus meiner Sicht - überzogene Flügelbildung in der SPD. Wenn wir die SPD nicht endgültig zerstören wollen als Volkspartei, dann muss damit endlich Schluss sein. Nichts ist gegen unterschiedliche Flügel in einer Partei einzuwenden, aber noch wichtiger ist ein gemeinsamer Kopf. (...)

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