„Doppelspitze überholt“
Kretschmann rüttelt an grünem Tabu

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält das Prinzip einer Doppelspitze bei den Grünen für nicht mehr zeitgemäß. Er will mit dem Prinzip der Partei brechen. Doch die winkt ab.

MünchenDie Grünen halten auch nach dem Wahlerfolg in Baden-Württemberg mit nur einem Spitzenkandidaten an der Doppelspitze für den Bundestagswahlkampf 2017 fest. „Es macht keinen Sinn, jetzt eine Debatte anzustoßen“, sagte einer der Sprecher des Realo-Flügels, Dieter Janecek, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Er reagierte damit auf Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der die traditionellen Doppelspitzen der Grünen in der „Süddeutschen Zeitung“ als überholt kritisiert hatte. Auch die Partei-Linke wies dies zurück. „Die Doppelspitze ist ein zentrales Element unserer Frauenpolitik“, sagte der zum linken Flügel zählende Bundestagsfraktions-Chef Anton Hofreiter „Spiegel Online“. Mit der Ablehnung durch beide Flügel der Partei hat der Vorstoß keine Chance.

Der grüne Wahlsieger von Baden-Württemberg, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, hat die Ämterteilung bei den Grünen scharf kritisiert. Die Lehre aus seinem Erfolg bei der Landtagswahl am 13. März sei, dass die Wähler eine eindeutige Personalisierung wollten, sagte Kretschmann in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Zur Bundestagswahl wollen die Grünen aber wieder mit einer Doppelspitze antreten. Kretschmann hält dieses Prinzip generell für überholt. Es sei eine „Schönwetterveranstaltung“, wenn die Partei „ein Quartett“ anbiete mit Doppelspitze in Partei und Fraktion.
Ursprünglich sei die paritätische Besetzung von Männern und Frauen vernünftig gewesen, so Kretschmann weiter. „Jetzt heißt Doppelspitze aber immer auch: Realo – Linker. Nur, in der Politik muss man sich für den einen oder den anderen Weg entscheiden.“ 30 Jahre habe er gegen diese Konstruktion gekämpft, „in manchen Dingen muss man als Politiker auch mal resignieren.“ Bei der Landtagswahl hatten die Grünen 30,3 Prozent der Stimmen geholt und wurden erstmals bei einer Wahl stärkste Partei. Kretschmann selbst ist Umfragen zufolge derzeit der beliebteste Politiker Deutschlands.

Am vergangenen Wochenende hatte Grünen-Parteichef Cem Özdemir seine Bewerbung um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl bekannt gegeben. Er ist neben Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein, und dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Anton Hofreiter der dritte Bewerber. Als einzige Frau hat bislang die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erklärt, kandidieren zu wollen. Sie gilt deshalb vorerst als gesetzt.

„Cem ist ein hervorragender Politiker“, kommentierte Kretschmann dessen Bewerbung. Aber „auch mit Robert Habeck zum Beispiel haben wir einen sehr klugen und charismatischen Mann im Rennen.“ Die beiden gelten wie Kretschmann als „Realos“, während Hofreiter dem linken Flügel der Partei zugerechnet wird.
Den Erfolg der Grünen in Baden-Württemberg erklärte Kretschmann damit, dass er mit zentralen Gewissheiten seiner Partei aufgeräumt habe. „Der Verzicht war lange ein grünes Credo. Das hat nie funktioniert“, sagte Kretschmann.

Seite 1:

Kretschmann rüttelt an grünem Tabu

Seite 2:

„Qualität muss die entscheidende Rolle spielen“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%