Dr. Annette Schavan
Die Stunde der Plagiatsjäger

Hat sie oder hat sie nicht? Bildungsministerin Annette Schavan soll laut eines unveröffentlichten Gutachtens der Uni Düsseldorf in ihrer Dissertation betrogen haben. Handelsblatt Online hat sich einige Stellen angeschaut
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DüsseldorfAusgerechnet die Bildungsministerin. Und dann auch noch die Frau, deren Dissertation den Titel „Person und Gewissen“ trägt. Annette Schavan soll betrogen haben. Sie soll einige Stellen in ihrer Doktorarbeit nicht so kenntlich gemacht haben, wie sie es hätte tun müssen – und wie es in wissenschaftlichen Arbeiten üblich ist – stellt ein Gutachten der Universität Düsseldorf fest.

Der Vorwurf ist nicht neu. Schon im Mai hatte der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, der CDU-Politikerin vorgeworfen, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bis dahin bekannt gewesen war. Seitdem überprüft die Universität Düsseldorf die Doktorarbeit. Neu ist jedoch der Bericht eines der Gutachter der Universität, der vorab – noch bevor die Bildungsministerin das Ergebnis selbst auf dem Schreibtisch liegen hatte – im „Spiegel“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde. Das Urteil: Schavan hat getäuscht.

Wo aber hat Schavan nun eindeutig plagiiert? „Zum Beispiel auf Seite 37 ihrer Dissertation“, sagt der Plagiatsjäger Heidingsfelder: „Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte“, heißt es in der Doktorarbeit der Bildungsministern. Abgeschrieben hat sie es aber wohl – ohne eine Quelle zu nennen – so Heidingsfelder, bei Hannah Arendts „Vita activa oder Vom tätigen Leben.“ Dort heißt es auf Seite 15: „[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.“

Ein weiteres Beispiel: Auf Seite 322 kommt Schavan zu folgendem Schluss. „Zusammenfassend kann man feststellen, daß in dem Maß, in dem im Jugendalter neben die heteronomen Normen selbstüberprüfte Normen treten, bzw. erstere nach kritischer persönlicher Überprüfung ersetzt oder aber gutgeheißen und als autonome Normen zur Grundlage des Entscheidens und Handelns werden, man von einem autonomen, bzw. personalen Gewissen sprechen kann und damit von einer geglückten Personalisation.“

Seite 1:

Die Stunde der Plagiatsjäger

Seite 2:

Hat Annette Schavan also betrogen oder nicht?

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  • 4. erübrigt sich durch die Ausführungen zu 3.
    Es ist aber zu bedenken, dass die Dame nicht so beliebt ist, wie Sie unterstellen. Sie wurde auffällig durch ihre Reisen zum Papst und sonstige Verschwendung von Steuergeldern und hat sich durch den durch sie ausgelösten Fall des Barons zu Guttenberg viele Feinde in dessen Anhängerschaft geschaffen. Das Argument könnte sich u. U. ins Gegenteil verkehren.

  • ad. 2. Rückendeckung

    Der Doktorvater zu Guttenbergs ist ihm zunächst auch beigesprungen. Erst als die Stellen sich ausweiteten und er sich die Chose ansah, tauchte er unter; dass eine Politikerin aus dem Wissenschaftsbetrieb Rückenwind bekommt, versteht sich von selbst. Denn auch dort werden sich – wie im Rest der Bevölkerunge – ca. 35 % CDU-Wähler befinden. Würden ihr (fast) alle beispringen, wäre das ein Argument. Der Entdecker von zu Guttenbergs Plagiat hat folgendes von sich gegeben (Kölner Stadtanzeiger):
    “Das, was bisher an Text-übernahmen bekannt ist,
    rechtfertigt nicht zwingend den Schluss, von einer Täuschungsabsicht
    zu sprechen”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger”
    (Mittwoch-Ausgabe). “Es gibt in der Doktorarbeit zwar durchaus sehr
    problematische Passagen. Doch bleiben sie in der Summe und Qualität
    unter dem, was Gerichte bisher als Täuschung eingestuft haben.
    Zwischen den Mängeln in Guttenbergs Doktorarbeit und der von Schavan
    liegen Welten.”

    Auch dieses als Freispruch durch den Guttenberg-Entdecker zu werten, ist doch äußerst gewagt, Frau Richter? Es ist kein In-Schutz-Nehmen, sondern eine Relativierung gegenüber des Machwerks zu Guttenbergs. Zudem haben Sie die kleinen, aber feine Wörtchen "nicht zwingend" und „bisher“ völlig überlesen.


  • ad 1. Text original kopiert aus schavanplag,
    __________

    Überschrift: V. Stand der Dokumentation:
    "Ich habe die aktive Suche nach Plagiaten abgeschlossen. Es ist aber aufgrund diverser Indizien im Text wie prägnanter Formulierungen, überraschendem Kontextwissen oder Zitierung “entlegener” Titel zu vermuten, dass außer den drei schon ermittelten nicht aufgeführten Quellen (s.o.) noch weitere Literatur in der Dissertation verwandt wird, die dort unerwähnt bleibt. Falls ich konkrete Nachweise entsprechender Stellen erhalten sollte, werde ich diese noch einpflegen."

    Wie man da auf die Idee kommen kann, dass selbst die hochkritische Wikiplag-Gruppe dies nicht als Fall ansieht, ist mir schleierhaft. Es bedeutet lediglich, dass die Suche ohne Internet (!) so aufwändig ist, dass der Jäger die Arbeit einstellt, aber jederzeit wieder aufnehmen kann (und nun wohl auch wird).


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