Dramatischer Anstieg
Jedes sechste deutsche Kind ist arm

Die Kinderarmut in Deutschland steigt dramatisch an: Zu diesem Ergebnis kommt der „Kinderreport Deutschland 2007“. Oft müssen die Kinder gar in eine Therapie. Das Kinderhilfswerk macht dafür die Politik verantwortlich.

HB BERLIN. War 1965 nur jedes 75. Kind unter sieben Jahre auf Sozialhilfe angewiesen, ist es heute mehr als jedes sechste, wie es hieß. Mittlerweile würden 14 Prozent aller Kinder offiziell als arm gelten. Schätzungsweise 5,9 Millionen Kinder lebten in Haushalten mit einem Jahreseinkommen der Eltern von bis zu 15 300 Euro – das seien rund ein Drittel aller kindergeldberechtigten Kinder.

Der Bericht weist darauf hin, dass die „verheerenden Folgen der Familienverarmung für die Bildungsfähigkeit des Nachwuchses“ unübersehbar seien. Jedes dritte Kind habe bei seiner Einschulung 2004 therapiepflichtige Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten aufgewiesen. Jedes vierte Schulkind habe die Schule „ohne Beherrschung des Mindestmaßes an Kulturtechnik“ verlassen - mit stark steigender Tendenz.

Das Kinderhilfswerk wies darauf hin, dass die Familienmisere vor allem im deutschen Steuer- und Sozialsystem wurzele. Familien werde ein Übermaß an öffentlichen Abgabe abverlangt und die Abgabenstruktur selbst weise zusätzliche Asymmetrien zulasten von Familien auf. Der siebte Familienbericht von 2006 habe angegeben, dass die öffentlichen Ausgaben für Familien im EU-Durchschnitt einen Anteil vom Bruttoinlandsprodukt von 2,1 Prozent ausmachten. Dieser Wert liege für Deutschland bei unterdurchschnittlichen 1,9 Prozent.

Der Report kommt zu dem Ergebnis: Statt die Einkommenskluft zwischen Personen mit und ohne Kindern zu verringern, mache die Politik das genaue Gegenteil. Deutschland betreibe einen in der Welt beispiellosen Raubbau an seinem Nachwuchs.

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