Drehtüreffekt
Handwerk attackiert Zunahme der Ein-Euro-Jobs

Die starke Zunahme der Ein-Euro-Jobs in Deutschland ist von Handwerkspräsident Otto Kentzler heftig kritisiert worden. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Kentzler: „Bei den Ein-Euro-Jobs brechen alle Dämme. Ihre Zahl ist auf weit über 200 000 gestiegen, die Bundesregierung peilt 600 000 an.“

HB BERLIN. Die Kommunen setzten die Arbeitslosen oft dort ein, wo sie bis vor kurzem noch Handwerksfirmen beauftragt hätten. „Das führt zu dem berüchtigten Drehtüreffekt - die Jobber verdrängen regulär Beschäftigte, die so in der Arbeitslosigkeit landen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Die Ein-Euro-Jobs - offizielle Bezeichnung Zusatzjobs - sind Teil der Hartz-IV-Reform. Langzeitarbeitslose erhalten für eine zeitlich befristete gemeinnützige Tätigkeit zusätzlich zum Arbeitslosengeld (ALG) II eine Aufwandsentschädigung von durchschnittlich 1,50 Euro pro Stunde. Kentzler bemängelte, dass es vielerorts keine wirksame Kontrolle gebe. Die Beiräte, die bei der Vergabe der Ein-Euro-Jobs mitentscheiden sollen, existierten nicht im vollen Umfang. „Und dort, wo es sie gibt, wird der Einsatz in handwerklichen Tätigkeiten gerne fantasievoll bemäntelt. Die kommunalen Beschäftigungsgesellschaften verstecken solche Tätigkeiten hinter Bezeichnungen wie „Praktikum“, „Qualifizierung“ oder „Vermittlung von Grundfertigkeiten““, sagte Kentzler.

Der Handwerkspräsident begrüßte die Ankündigung von FDP- Generalsekretär Dirk Niebel, dass eine Regierung von Union und FDP Ein-Euro-Jobs nur noch auf eng begrenzten Feldern zulassen würde. Dies spare Milliarden und entlaste die Bundesagentur von administrativen Aufgaben. „Die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt muss wieder den Vorrang erhalten“, sagte Kentzler.

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