Drei Biografien auf einen Schlag
„Mr. Klartext“ auf allen Kanälen

Peer Steinbrück schlägt um sich und trifft dieses Wochenende die Banken. Gleich drei Biografien über den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten sind auf dem Markt. Geben seine Gegner auf und überlassen ihm die Show?
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BerlinAls zuletzt Gerüchte kursierten, die SPD könne früher als bislang erwartet ihren Kanzlerkandidaten küren, da mag manch ein Verlagsmanager nervös geworden sein. Nicht auszudenken, wenn Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier jetzt das Rennen machte oder sich Parteichef Sigmar Gabriel aus Übermut gar selbst nominierte. Damit würden umgehend Bücher zu Ladenhütern mutieren, die doch eigentlich Bestseller werden sollen: Steinbrück-Biografien.

Gleich drei Lebensberichte über den ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der zur SPD-Troika der möglichen Kanzlerkandidaten zählt, drängen derzeit auf den Buchmarkt. Am Mittwochabend präsentierte der Droemer-Verlag in Berlin „Steinbrück. Biographie“ von Eckart Lohse und Markus Wehner. Die beiden Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sind vorzügliche Beobachter und Interpreten. Das hatten sie zuletzt mit ihrer pointierten Biografie über den Hochstapler zu Guttenberg gezeigt.

Auch dem Heyne-Verlag schien die unklare Lage bei den Genossen zu brenzlig zu werden. Er zog die eigentlich für November geplante Veröffentlichung von „Steinbrück. Die Biografie“ kurzerhand vor. Das von dem Berliner „Focus“-Chef und früherem Handelsblatt-Ressortleiter Daniel Goffart verfasste Werk erscheint an diesem Montag. Die Laudatio wird Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki halten, der Steinbrück schon als Wirtschaftsminister in Kiel erlebte und über ein ähnlich großes Ego wie der SPD-Politiker verfügt.

Strategisch klüger, da schon seit Juni auf den Büchertischen, war „Peer Steinbrück“ vom dtv-Verlag platziert worden. Das Buch von SPD-Experte und „Welt“-Autor Daniel Friedrich Sturm zeichnet ein kritisches Bild des potenziellen Kanzlerkandidaten: Steinbrück kultiviere das „Image des Anti-Politikers“ und agiere selbstzerstörerisch. Seine Partei beschimpfe er als verstaubt, ideologisch, borniert und irrational. Bekannte Sozialdemokraten gratulierten dem Autor bereits zu seinen Beobachtungen. Und die erste Auflage ist fast verkauft.

Nach der Steinbrück-Show im Oktober vergangenen Jahres - Ausrufung als bestmöglicher SPD-Kanzlerkandidat durch Altkanzler Helmut Schmidt, begleitet vom gemeinsamen Buch „Zug um Zug“, einer „Spiegel“-Titelgeschichte und dem TV-Auftritt bei Günther Jauch - rollt nun die Steinbrück-Biografie-Welle über Deutschland hinweg.

Kommentare zu " Drei Biografien auf einen Schlag: „Mr. Klartext“ auf allen Kanälen"

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  • Stelle sich einer Steinbrück vor, wenn er vor lauter Kanzlerschaft seine Bäuerchen nicht mehr machen darf. Was bleibt dann übrig?

  • Im Artikel steht so schön:

    Steinbrück hingegen mache die Leute glauben, "dass hier einer steht, der genau weiß, wo vorne ist und wie man geradeaus fährt".

    Im Zuge ihrer akribischen Recherchen meinen die beiden Autoren allerdings zwei eklatante Schwächen von Steinbrück auszumachen: Er verkämpfe sich mit großem Einsatz, um dann aber am Ende mit leeren Händen dazustehen. Und er habe weitestgehend versagt, wenn er gestalten und führen sollte.

    Richtig dargestellt im Artikel. Danke an das HB. Mehr muss man nicht sagen. Nur kurz: wer hat denn die erste große Bankenrettung gemacht. Bundesfinanzminister Steinbrück hat die HRE gerettet mit rd. 150 Mrd. € der Steuerzahler. Toller Sozialdemokrat. Da wußte er nicht wo vorn und hinten ist, den Deutsche Bank Chef Ackermann hat er nach der "Richtung" fragen müssen und dann ist er in Richtung Bankenrettung gerannt, anstatt die Anteilseigner in die Pflicht zu nehmen. Auf so was kann der Bürger verzichte.

  • Zitat: Wann haben wir in Deutschland endlich mal wieder eine Opposition, die den Namen auch verdient?!

    Ganz einfach: Wenn die Mehrheit der deutschen Wähler für eine Oppostion in Ihrem Sinne stimmt.

    Die Alternativen sind auf dem Markt.
    Wir haben freie, geheime Wahlen.
    Jeder kann sich informieren.
    Jeder kann sich zur Wahl stellen.

    Wenn dennoch die etablierten Parteien gewählt werden, dann wohl aus dem Grund, weil genau das der Wunsch und Wille des Souveräns ist. (was mich bei den angebotenen, angeblichen Alternativen wirklich nicht wundert)

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