Drei Jahre nach der Gründung haben die Schuldenmanager im Auftrag von Finanzminister Eichel schon viel erreicht
Finanzagentur senkt Kosten für den Bund

Eichels oberster Schuldenmanager Gerhard Schleif kann zufrieden sein. Trotz stetig steigender Schulden zahlt der Bundesfinanzminister in diesem Jahr weniger an Zinsen als vor drei Jahren. Ein Blick hinter die Kulissen der "Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH".

HB FRANKFURT/MAIN. Manchmal hat Hans Eichel Glück. Trotz stetig steigender Schulden zahlt der Bundesfinanzminister in diesem Jahr weniger an Zinsen als vor drei Jahren. Der zweitgrößte Posten seines Haushalts liegt mit 39,3 Mrd. Euro um fast fünf Mrd. Euro unter dem Betrag, den er 2001 zahlen musste. „Das liegt vor allem an den gesunkenen Zinsen“, sagte Gerhard Schleif, Eichels oberster Schuldenmanager, dem Handelsblatt. Banker in Frankfurt halten dies allerdings nicht für den einzigen Grund der guten Nachricht für Eichel. Einen Teil an dem Erfolg kann sich ihrer Meinung nach durchaus Schleif selbst ans Revers heften – für professionelles Management.

Seit drei Jahren lässt Eichel den Schuldenberg des Bundes von derzeit 800 Mrd. Euro von der eigens zu diesem Zweck gegründeten „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ verwalten. Sie organisiert den Marktauftritt des Bundes, eine Aufgabe, die zuvor bei der Bundesbank lag. Angetreten ist die Finanzagentur mit dem Auftrag, die Zinskosten des Bundes ab 2013 um jährlich 500 Mill. bis 750 Mill. Euro zu senken. „Dieses Ziel ist erreichbar“, sagte ihr Geschäftsführer Schleif. Er ist für den Kapitalmarkt zuständig. Um die Verwaltung und den direkten Draht zum Finanzministerium kümmert sich Co-Geschäftsführer Eberhard Tschentke, der aus dem Ministerium kommt: Denn die Entscheidungen über die Strategie der Finanzagentur fallen nach wie vor in Berlin.

Ihre Kosten erwirtschaftet die 90 Leute starke Truppe dem Vernehmen nach bereits fast schon im Tagesgeschäft an den Geld- und Kapitalmärkten. Sechs Händler bewegen im Auftrag des Bundes täglich durchschnittlich etwa zehn bis zwölf Mrd. Euro; ein weiterer überwacht permanent den aktuellen Liquiditätsbedarf des Bundes. „Manchmal kann man Veränderungen und Verwerfungen an den Märkten zur Zinseinsparung nutzen“, sagte Schleif. Allerdings sei strikte Risikokontrolle auch dabei die oberste Maxime. Spekulative Optionen würden nicht eingesetzt. Optionen sind eine Art Wette auf künftige Kursentwicklungen.

Allerdings kann Schleif mehr Instrumente zur Refinanzierung nutzen, als das für den Bund früher möglich war. Vom nächsten Jahr an könnte die Finanzagentur sogar erstmals an die Inflationsrate gekoppelte Anleihen und Anleihen in Fremdwährungen begeben. Für die Fremdwährungsanleihen muss das Parlament allerdings erst noch Absicherungsgeschäfte (Währungs- swaps) genehmigen. Am Geldmarkt wurde das Instrumentarium ebenfalls erweitert. Außerdem sind seit drei Jahren Zinstauschgeschäfte (Zinsswaps) möglich.

Seite 1:

Finanzagentur senkt Kosten für den Bund

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%