Drei Tage vor Einführung der Lkw-Maut
Stolpe zog eines der ersten Maut-Tickets

Der Start der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen rückt näher. Seit Mitternacht können Lastwagenfahrer bereits an den rund 3 700 Kassenautomaten zahlen, um am 1. Januar ohne Aufenthalt fahren zu können. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) zog am Mittwochmorgen eins der ersten Tickets.

HB BERLIN/POTSDAM. „Wir haben den Ernstfall erreicht“, sagte Stolpe am Berliner Ring, an der Autobahnraststätte Michendorf (A 10). Es seien allerdings genügend Vorkehrungen getroffen worden, um Staus zu vermeiden und einen flüssigen Verkehrsablauf zu gewährleisten. Mautpreller warnte er erneut. Sie müssten außer der Nachbuchung auch mit einem Aufschlag von bis zu 75 Euro rechnen. „Wir haben nichts zu verschenken“, betonte der Minister. Darüber wachten etwa 560 Mautkontrolleure. Mautpflichtig sind Lkw mit einem Gesamtgewicht ab zwölf Tonnen.

Die vor allem an Autobahn-Tankstellen und Raststätten aufgestellten Kassenautomaten ermöglichen die Einbuchung jeweils bis zu drei Tage vor Antritt der Fahrt. Damit sollen insbesondere in der Startphase Verkehrsengpässe - besonders auch an den Grenzen - weitgehend vermieden werden. Hauptsächlich setzt Stolpe auf die elektronische Erfassung durch so genannte On Board Units (OBUs) in den Lastwagen, die zugleich einen automatischen Bezahlvorgang ermöglichen. Stolpe sprach von jetzt mehr als 300 000 solcher Geräte, die in die Lkw eingebaut seien. Fuhrunternehmen, die dies bisher nicht getan haben, müssen entweder auf das Internet oder die Terminals ausweichen.

Der Güterverkehrsverband hat die seiner Auffassung nach unzureichenden Maut-Kontrollmöglichkeiten der Behörden kritisiert. Das zuständige Bundesamt für Güterverkehr sei personell viel zu schlecht ausgestattet, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt. „Statt der angekündigten Kontrollquote von 10 Prozent wird man vielleicht ein Prozent der täglich 800 000 mautpflichtigen Lkw-Fahrten schaffen.“

Leidtragende seien die rechtstreuen Transportunternehmen, während zahlreiche ausländische Lastwagen weitgehend unbehelligt und ohne Furcht vor übermäßigen Strafen die Vorschriften verletzen könnten. Der Verband gehe von einer durchschnittlichen Maut zwischen 50 und 60 Euro pro Transit-Fahrt aus, während die unterste Bußgeldstufe nur 75 Euro betrage. „Das ist ein denkbar geringes Risiko für die Schwarzfahrer“, sagte Schmidt. Die Maut könnte so das Betriebssterben inländischer Transportunternehmen weiter verschärfen.

Er rechne damit, dass das Mautsystem am Montag, dem 3. Januar, ohne große technische Pannen anlaufen werde, sagte Schmidt. Das liege allein schon daran, dass nach Neujahr bestenfalls die Hälfte der sonst üblichen Lkw auf der Straße sein werde. „Normale Verkehrsverhältnisse wird es erst wieder ab dem 10. Januar geben“, sagte der Verbandsfunktionär. Dann könne es auch zu Verkehrsspitzen kommen, weil die Verkehrsleistungen aus der Weihnachts- und der Neujahrswoche nachgeholt werden müssten. Erst Mitte Februar werde man genaueres über die Mauteinnahmen wissen und könne eine erste aussagekräftige Bilanz zur Zahlungsmoral ziehen.

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