Dresden wählt am Sonntag
Fremdenfeindlich, oder was?

Ausländerfeindlichkeit ist das Etikett, das Dresden anhaftet. Doch zur Oberbürgermeisterwahl haben längst nicht alle Kandidaten das Thema auf ihrer Agenda. Nun will auch noch eine Pegida-Kandidatin ins Rathaus einziehen.
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DresdenEr guckt verschreckt. „Was ist denn hier los?“, fragt er. Der Tourist zückt seine Kamera, richtet das Objektiv über die Elbe. Klick. Das Foto zeigt ein Postkartenmotiv von Dresden: Hofkirche, Residenzschloss, die Treppen zum Gericht, dahinter die Türme der Frauenkirche. Nur das Fahnenmeer in Rot-Schwarz-Gold und die Schilder mit dem durchgestrichenen Minarett auf dem Schlossplatz stören das Idyll.

Eine Frauenstimme schallt über die Straße, hart, fordernd: „Dresden wird sich auflehnen gegen die Zerstörung durch fremden Riten, Sitten und Religionen. Wählt am 7. Juni mich zu eurer Oberbürgermeisterin.“ „Wer sind die?“, fragt der Tourist. Der Mann kommt aus Japan. Von Pegida hat er noch nichts gehört.

Die harte Frauenstimme gehört zu Tatjana Festerling. Festerlig ist 51, geschieden, hat zwei Kinder, ist die Pegida-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Dresden. Erst war sie Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD). Nun will sie für Pegida ins Rathaus einziehen. Die SPD, Politiker im Allgemeinen, die Presse, Muslime und Homosexuelle sind ihre Feindbilder. Und nicht zu vergessen: Asylbewerber.

Tatjana Festerling lacht. Es klingt ein bisschen aufgesetzt. Aber das Publikum reagiert, wie es soll. Mit Jubel, mit Fahnenschwenken, mit Applaus. „Liebe Freunde“, sagt sie und meint damit ein paar Tausend Pegidianer, die sich auf dem Schlossplatz versammelt haben, wie jeden Montag zum Abendspaziergang. „Liebe Freunde. Hier ist kein Platz für Unterdrückung von Frauen, Christen und Juden, Vergewaltigung, Ehrenmorde und all die blutrünstigen Riten, die der Islam hierher exportiert.“ „Jaaaaa“, jubeln die Zuschauer. „Jaaaaa!“ Der 14. Abendspaziergang der Pegidianer hat begonnen.

Eine gerade erschienene Studie von der TU Dresden ist es, die Festerling so gut gelaunt stimmt. Denn die Studie sagt im Groben: Die Pegidianer sind nicht einfach rechts und ausländerfeindlich. Ein großer Anteil steht laut Studie rechts von der CDU und wünscht sich weniger Muslime und Ausländer in Deutschland. Ein anderer Teil aber hat nichts gegen Asylbewerber oder friedliche Muslime. Das ist es, was Festerling so freut. Wie eine Litanei zitiert sie Passage nach Passage aus der Studie und kommentiert sie. „Pegida ist gar nicht so schlimm wie die SPD-parteigesteuerten Blätter wie SZ und Mopo es hinstellen.“ Und wie bestellt klatscht und jubelt ihr Publikum.

Hat Dresden ein Problem mit Fremdenhass? Dresden, die Landeshauptstadt Sachsens, 540.000 Einwohner, Tendenz steigend. 5,1 Prozent der Menschen sind Ausländer, 2300 Asylbewerber leben hier. Auch die sollen in den kommenden Jahren mehr werden, so wie überall in Deutschland. Zuletzt machte ein Überfall von Rechten auf einen Asylbewerber Schlagzeilen.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Margrit Steer: BINGO!! Exakt so sieht es aus!

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