Drogen-Programm
Koch für Heroin statt Methadon für Schwerstabhängige

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) tritt im Gegensatz zu großen Teilen seiner Partei dafür ein, die Heroinprogramme für Schwerstabhängige weiterzuführen. Vor allem die Unionsfraktion im Bundestag will das Projekt auslaufen lassen und setzt stattdessen auf die Ersatzdroge Methadon.

HB WIESBADEN. Der Bund wäre schlecht beraten, wenn er die Grundlagen für das Heroinprogramm entfallen lassen würde, sagte Koch der „Frankfurter Rundschau“. Die Projekte seien zur Hilfe für Drogenkranke notwendig, weil ein Mangel an einer anderen Antwort bestehe, sagte der Ministerpräsident.

Die hessische Landesregierung unterstütze deswegen die Bundesratsinitiative des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU), mit der die Projekte zur Heroin-Vergabe erhalten werden sollen. In dieser Frage seien sich diejenigen Länder einig, in denen es derartige Drogenprojekte gebe, sagte Koch der „FR“. Koch betonte allerdings, er wolle keine bundesweiten Drogenambulanzen. Es müsse deutlich sein, dass es die Vergabe nur in Ausnahmefällen an Schwerpunkt-Orten geben könne.

Die Unionsfraktion im Bundestag hatte durchgesetzt, dass die Unterstützung von Modellprojekten etwa in Frankfurt oder Hamburg im Sommer ausläuft. Ohne eine Initiative auf Bundesebene droht damit dem Modellprojekt zur Jahresmitte das Aus. Die Kommunen wollen eine dauerhafte Regelung. Das wäre mit einer Zulassung von synthetischem Heroin (Diamorphin) als Medikament möglich.

Alle Projektstädte liegen in unionsregierten Ländern. Ein Teil der Kommunen ist ebenfalls unionsdominiert. Modellprojekte finden seit 2002 in Bonn, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln und München statt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sagte, bei der Fortführung der Projekte gehe es nur um einen sehr kleinen Personenkreis. Die Behandlung sei nicht teurer als eine Methadonsubvention.

Die Unionsfraktion hatte jedoch deutlich gemacht, dass sie von ihrem Nein zur Heroinabgabe nicht abrücken will. Der Einsatz der Ersatzdroge Methadon sei bei ähnlichem Erfolg billiger, behauptete der Gesundheitsobmann der Fraktion im Bundestag, Jens Spahn, am Donnerstag im Südwestrundfunk. Dieser Erfolg könne mit intravenösem Verabreichen von Methadon möglicherweise noch gesteigert werden.

Wenn der Staat dagegen Heroin an Schwerstabhängige ausgebe, habe dies auch eine Signalwirkung für die Szene, kritisierte Spahn. Die Erfahrungen in der Schweiz zeigten, dass der Kreis der Betroffenen ausgeweitet werde. Ziel müsse aber sein, die Abhängigen von der Droge wegzubekommen.

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