Drohende Altersarmut
Fast jeder zweite Beschäftigte wird Frührentner

Beinahe jeder zweite Beschäftigte ging im Jahr 2010 vorzeitig in Rente. Viele müssen dabei finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Verbände und DGB befürchten eine Zuspitzung der Lage durch die Rente mit 67.
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BerlinFast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland geht vorzeitig in Rente. Im Schnitt fiel bei diesen Frührentnern im Jahr 2010 die Rente um monatlich 113 Euro geringer aus, wie aus am Mittwoch bekannt gewordenen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. Der DGB und der Sozialverband VdK warnten vor zunehmender Altersarmut durch die Rente mit 67, während das Bundesarbeitsministerium die anstehende Neuregelung verteidigte.

Im Jahr 2010 bezogen laut Deutscher Rentenversicherung knapp 674.000 Versicherte erstmals eine Altersrente. 47,5 Prozent von ihnen oder fast 320.000 mussten dabei Einbußen in Kauf nehmen, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiteten. Fünf Jahre vorher waren demnach 41,2 Prozent von Abschlägen betroffen, 2000 nur 14,5 Prozent. Im Durchschnitt gingen die Frührentner drei Jahre und zwei Monate vorher in Ruhestand.

Die Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, warnte in der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf die Rente mit 67 vor steigender Altersarmut. „Derzeit bieten weder der Arbeitsmarkt noch die Personalpolitik der Unternehmen Anhaltspunkte dafür, dass ein Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze zur Normalität wird“, sagte Mascher. Kritik kam auch von Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Solange die Beschäftigten kaum eine Chance haben, bis 65 zu arbeiten, ist die Rente mit 67 ein reines Rentenkürzungsprogramm“, sagte Buntenbach.

Zum 1. Januar 2012 tritt das Gesetz zur Rente mit 67 in Kraft. Es sieht vor, dass sich das reguläre Renteneintrittsalter pro Jahr zunächst um einen Monat nach hinten schiebt, ab 2024 sind es dann pro Jahr zwei Monate. Ab dem Jahr 2031 liegt der Renteneintritt dann bei vollen 67 Jahren.

Das Bundesarbeitsministerium warnte indes davor, die Zahlen als Argument gegen die Rente mit 67 zu benutzen. So mahnte ein Sprecher, die Daten nicht überzuinterpretieren. Die Zahlen seien „mit Vorsicht zu genießen“, hieß es. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung sei, dass immer mehr Frauen arbeiteten und damit auch mehr von ihnen frühzeitig in Rente gingen. Beachtet werden müsse auch der allgemeine demografische Wandel: Es gebe mehr Menschen über 60, also mehr, die überhaupt vorzeitig in Rente gehen können.

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Arbeitsmarktlage Älterer verbessere sich kontinuierlich

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  • Ich nenne es einfach mal so. ES IST EIN VERBRECHEN, WAS UNSERE REGIERUNG (SELBER VERBRECHER, ODER SIND VON DIESEN ABHÄNGIG)MIT DEN LEISTUNGSTRÄGERN DER NORMALEN BEVÖLKERUNG MACHT. Diese Leute haben nach heutigem Stand keine Chance bei den Minimallöhnen jemals ein vernünftiges Leben vor allem auch im Alter zu führen. Übrigens wurde die Riester- Rente nur dazu geschaffen, der Geldbranche weitere Geschäfte zu ermöglichen. Meiner Meinung nach hat die Allgemeinheit (STAAT) daür zu sorgen, das abhängig von der Lebensleistung für ALLE ein vernünftiges Auskommen jenseits von Hartz IV ermöglicht wird. Pate sollte die Altersversorgung von Politikern stehen. Die haben auch ohne Leistung i.d. R. Anspruch auf überdurchschnittliche (teilweise füstliche) Versorgungsansprüche. Wenn unsere Gesellschaft das nicht schafft, dann ist das dass Ende des sozialen Friedens. Eine private Altersversorgung wird wg. verschiedener gefahren nicht funktionieren.

  • Genau so ist es. Arbeitsämter drängen ältere Arbeitslose massiv in die Frührente.
    Dies dient nur dazu, die Arbeitslosen-Statistik zu schönen

  • Also das ist wirklich mehr als frech und zeigt Ihre ganze Unkenntnis über die Rentenvers.
    Da kann man noch so viel eingezahlt haben, weil man gut verdient hat, der Staat hat dermaßen die Versicherung bestohlen, dass kein Geld mehr da ist.
    Der deutshe Eckrenter, so heißt das, hat eine Rente zwischen 900 und 1.100 €
    Also bitte erst informieren ehe Sie solche frechen Äußerungen machen und Menschen diskriminieren, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben

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