Drohende Niederlage
NRW-Wahl gefährdet Merkels Macht

Angela Merkel steht im Zenit ihrer Macht und weiß: Jetzt wird es ganz eng. Der kommende Sonntag, wenn Nordrhein-Westfalen wählt, könnte für sie zum Schicksalstag werden. Ein Porträt der (noch) mächtigsten Frau im Staat.
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Wann stürzen Kanzler, wann geht ihre Ära zu Ende? Immer etwas zu spät, könnte man sagen. Nicht dann, wenn es am schönsten ist, sondern wenn es langsam unerträglich wird. Helmut Schmidt hatte seine Machtbasis in der eigenen Partei längst verloren, als er schließlich vom liberalen Koalitionspartner gestürzt wurde. Gerhard Schröder fand, nachdem er im Jahr 2003 die Agenda 2010 durchgesetzt hatte, ebenfalls keinen Rückhalt mehr bei seinen Genossen. Zwei Jahre später beendete er seine Amtszeit selbst, indem er Neuwahlen ausrief, von denen er wusste, dass er sie verlieren würde.

Am längsten zerdehnte Helmut Kohl seinen Abgang. Mit der deutschen Einheit, der Erweiterung der Europäischen Union und dem Beschluss, den Euro einzuführen, stand er im Zenit seiner Macht. Danach hätte er gut abtreten können. Stattdessen stellte er sich 1994 noch einmal einer Bundestagswahl. Die Wahlplakate zeigten ihn als den Mann ohne Brille und ohne Worte, dafür mit bananenbreitem Lächeln, in voller Harmonie mit den Deutschen und mit sich selbst. Er wollte nichts mehr von seinen Bürgern, und die fanden das gut, denn sie hatten das Gefühl, die Einheit sei schon Stress genug gewesen. Kohl gewann die Wahl und verbrachte die kommenden vier Jahre erfolgreich damit, überfällige Reformen zu verhindern.

Wenige Tage nach seiner Wahlniederlage saß Angela Merkel in ihrem Bonner Umweltministerium beim Frühstück. Um sie herum wurde schon alles abgewickelt, bald würde sie das Haus verlassen müssen. War sie traurig? Bedrückt? Nein, Merkel traktierte mit Vehemenz ihr Frühstücksei und wütete. Über Kohls Versäumnisse der letzten Jahre, über ausgelassene Chancen - alles messerscharf analysiert. Kohl muss ihr furchtbar auf die Nerven gegangen sein mit seinem Bleiben ohne echtes Wollen. Das war ein interessanter, offener Moment, auch für einen Reporter, weil der Vorhang der Macht zerriss und plötzlich die Frage im Raum stand: Was kann aus dieser Frau noch alles werden?!

Sie hatte sich zu Beginn ihrer Kanzlerschaft etwas geschworen: nicht so lange wie Kohl, keine 16 Jahre, bestimmt nicht. Und nicht so lange nach dem Zenit, auf keinen Fall.

Aber warum steht das alles hier? Und warum jetzt? Angela Merkel ist die beliebteste deutsche Politikerin, sie wird respektiert, sogar gemocht. Außerdem ist sie die mächtigste Frau Europas oder der Welt, ganz genau kann man das nicht sagen. Die Union steht hinter ihr, keine innerparteiliche Konkurrenz weit und breit, und bei der SPD spielen drei Männer Räuberleiter, damit vielleicht doch einer von ihnen an die Kanzlerin heranreicht. Wer soll da, um Himmels willen, auf die Idee kommen, dass Merkels Macht in Gefahr sein könnte?

Kommentare zu " Drohende Niederlage: NRW-Wahl gefährdet Merkels Macht"

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  • Hitler ist jetzt auf einmal Sozialist. Ich dachte, der war Faschist. So etwas nennt man Verdrehung der Fakten.

  • Bei privaten haushalten ist es jetzt wichtig zu wissen das es keine Zuschüssen vom Staat geben darf, wenn sie ihre Energierechnung nicht zahlen können .

    Ich nehme an Sie kommen aus Russland und sind ohne ein funktionierendes Sozialsystem aufgewachsen, aber dafür mit russischen Zuständen. Anders kann ich mir solche Aussagen nicht erklären.
    Mir kommen öfter so Leute unter, die selbst zwar am meisten von Sozial/Leistungen profitieren wollen, aber noch kein Minimum dazu beitragen wollen.

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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