Drohender Streik
Rürup kritisiert Scheitern des Bautarifs

Die Weigerung der Bauverbände in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, den Tarifkompromiss zu übernehmen, stößt auf Kritik im Arbeitgeberlager und auf Unverständnis von Ökonomen.

HB BERLIN. „Die Tarifverträge in diesem Jahr sind ökonomisch vertretbar. Das gilt auch für den Bautarifvertrag“, sagte der Wirtschaftsweise Bert Rürup dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Mit Öffnungsklauseln und Ausnahmen für untere Lohngruppen seien sie stärker im Sinne der Arbeitgeber als die Zahl vor dem Komma suggeriere.

Auch der Chef des Hauptverbandes der Bauindustrie (HDB), Thomas Bauer, kritisierte das Ausscheren der Regionalverbände im mittelständischen Zentralverband des Baugewerbes (ZDB) heftig. „Zwei Regionalverbände bevormunden die gesamte Industrie“, kritisierte er die ZDB-Verbände Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Dies sei „niemandem mehr zu erklären“: Gerade die neuen Öffnungsklauseln für westdeutsche Betriebe, die nun als Grund für die Ablehnung herhalten müssten, hätten Vertreter der beiden norddeutschen Verbände zuvor genau so ausgehandelt. „Es geht offenbar darum, die Sozialpartnerschaft zu zerstören“, sagte Bauer. „Ein total ordnungsloser Zustand schadet aber allen Menschen am Bau.“

Rürup verwies darauf, dass die Konsequenzen erheblich seien. „Ohne bundeseinheitlichen Tarifvertrag gerät auch der Mindestlohn der Branche in Gefahr“, sagte er. Der Mindestlohn ist an die Existenz eines bundesweit gültigen Tarifvertrages gekoppelt, der nunmehr ins Wanken geraten ist. Rürup verwies darauf, dass ein Streik während einer Hochkonjunktur den Arbeitgebern schaden würde: Es gingen dann viele Aufträge verloren.

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