Drohne für Afghanistan
Warum „Heron 1“ doch gewann

Es klingt wie eine Fußnote in einer Woche, in der der Bundestag milliardenschweren Beschaffungsvorlagen für die Bundeswehr bewilligt hat. Schließlich geht es „nur“ um knapp 110 Mio. Euro Steuergeld. Aber wer verstehen will, welch verschlungene Wege Rüstungsgeschäfte in Berlin gehen, sollte einen Blick auf die Entscheidung werfen, die Bundeswehr in Afghanistan mit der Aufklärungsdrohne „Heron 1“ auszurüsten.

BERLIN. Zumindest am Anfang waren sich alle einig, Militär und Politik: Die Bundeswehr braucht dringend eigene unbemannte Aufklärungsflugzeuge (UAV), gerade für den Einsatz in Afghanistan. Zudem muss ein Einsatz für die veralteten Aufklärungstornados her, die auch am Hindukusch im Einsatz sind. Nun haben US-Firmen wie General Atomics Drohnen wie die „Predator“ im Angebot, die die Augen der Militärs leuchten lassen. Sie können 24 Stunden in der Luft bleiben und aus großer Höhe kleine Dinge am Boden entdecken. Aber europäische Konzerne wie EADS wollen und sollen auf dem wachsenden Markt der unbemannten Flugzeuge auch mitspielen. Zudem mischen deutsche Firmen Rheinmetall und OHB Systems mit.

Doch dummerweise kann EADS Drohnen dieser Qualität frühestens 2015 anbieten. Also sucht das Verteidigungsministerium eine Übergangslösung für zunächst drei Jahre, die nichts vorentscheidet, aber den Soldaten in Afghanistan schnell helfen soll. Kein Problem, die Rüstungsabteilung testet sieben Angebote und entscheidet sich für den „Predator“. Nur dieses Gerät, erfülle die „Muss“- und die „Soll“-Anforderungen der Militär, so die Empfehlung. Bei gleichem Preis schneide es damit besser ab als die von Rheinmetall und der israelischen Firma IAI angebotene „Heron 1“.

Doch Dienstagabend entscheidet sich der für Rüstung zuständige Staatssekretär Rüdiger Wolf dennoch für die „Heron 1“ – obwohl ihm zuvor der Hauptabteilungsleiter Rüstung, der Abteilungsleiter Haushalt und der Inspektor der Luftwaffe nochmals das Gegenteil geraten haben sollen.

Aber zum einen geht es um Philosophien: Der „Predator“ braucht zum Fliegen einen Piloten am Boden, „Heron 1“ kann programmiert werden. Zum anderen hatten sich in der Zwischenzeit auch andere bei Wolf gemeldet. Am deutlichsten soll der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs gewesen sein: Man wolle der Anschaffung weiterer 31 Eurofighter-Flugzeuge im Haushaltsausschuss nur zustimmen, wenn die Entscheidung für „Heron 1“ fällt, wird im Parlament kolportiert.

Dazu kommen industriepolitische Überlegungen, argwöhnen die mit der Entscheidung unzufriedenen Militärs. Denn wenn die Bundeswehr jetzt mit dem bewährten „Pretador“ ausgestattet wird, geht nicht nur Rheinmetall leer aus – möglicherweise entfällt dann auch ein entscheidendes Argument, wieso EADS für viel Geld eigene Drohnen entwickeln soll. Eine europäische Hochleistungsdrohne ist aber erklärter Wunsch der Politik, fraktionsübergreifend – trotz der ernüchternden Erfahrungen mit militärischen Großprojekten wie dem Transportflugzeug A400M.

Mittwochmorgen ist dann alles klar: Der Haushaltsausschuss stimmt für die Beschaffungsvorlagen der Regierung und auch den Eurofighter. Die Abgeordneten sind zufrieden. Und die Soldaten in Afghanistan erhalten Anfang kommenden Jahres nun die „Heron 1“.

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