DSW: Jeder vierte Student hat weniger als 600 Euro monatlich
Studentenwerk kritisiert Gebührenpläne

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) hat die von den Unionsländern vereinbarte Obergrenze für Studiengebühren kritisiert. Angesichts der realen Finanzverhältnisse deutscher Studenten seien auch 500 Euro pro Semester „nicht per se sozialverträglich“, sagte DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens. Der Teufel stecke im Detail, also in der Umsetzung der „zu allgemein formulierten Eckpunkte“ der Unionsländer.

HB/bag BERLIN. Mehr als ein Viertel aller Studenten habe nach der jüngsten DSW-Sozialerhebung weniger als 600 Euro monatlich zur Verfügung. 500 Euro Studiengebühr bedeuteten pro Monat 83 Euro und damit 15 Prozent ihres Budgets, rechnete Rinkens vor. Er fordert daher, zumindest alle Bafög-Empfänger von Gebühren zu befreien. Darüber hinaus dürften Gebühren nur „gestuft nach Leistungskraft“, also nach den tatsächlichen Einnahmen der Studenten erhoben werden. Nachdem das Bundesverfassungsgericht das Studiengebührenverbot des Bundes Anfang des Jahres zu Fall gebracht hatte, wollen nun einige Unionsländer Gebühren erheben. So will Bayern zum Sommersemester 2006 starten, Baden-Württemberg will spätestens bis zum Wintersemester 2007/08 nachziehen.

Vergangene Woche hatten sich die Unionsländer auf eine Höchstgrenze von 500 Euro verständigt. Weiter wurde vereinbart, dass die einzelnen Länder dafür sorgen, dass zinsgünstige Darlehen oder andere Angebote zur sozialen Abfederung bereitstehen. Die Rückzahlungsmodalitäten der Darlehen müssen „sozial verträglich“ sein, heißt es im Eckpunktepapier der Unionsländer, auch die gesamte Belastung aus Lebenshaltung und Studienbeiträgen müsse „tragbar“ sein. Der Bund solle das Bafög entsprechend erhöhen. Weitere Beitragserleichterungen, zum Beispiel für Studierende mit Kindern, sollen ebenfalls in den einzelnen Ländern geregelt werden.

Der DSW-Präsident zweifelt allerdings daran, dass sich die 500- Euro-Grenze lange halten werde. Die Erfahrung in anderen Ländern zeige, dass Gebühren „in kürzester Zeit hochschnellen“. Wirtschaft und Ökonomen hatten die Obergrenze zuvor kritisiert, weil sie den Wettbewerb verhindere.

Derzeit finanzieren Studenten ihr Studium vor allem mit Hilfe der Eltern und durch das Bafög. Die staatliche Förderung, die teils aus Zuschüssen, teils aus Krediten besteht, erhält derzeit etwa jeder vierte Student. Dazu kommen bei zwei Dritteln der Studenten Einnahmen aus Nebenjobs. Nur zwei Prozent der mittlerweile zwei Millionen Studierenden beziehen nach Angaben des Studentenwerks ein Stipendium. Einen Bildungskredit oder Darlehen nehme bisher nur ein Prozent in Anspruch. Die KfW plant ein allgemeines Kreditprogramm zum nächsten Wintersemester, schon heute gibt es KfW-Darlehen für Studenten im Hauptstudium.

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