Düstere DIW-Prognose
„Schulden fressen Griechenland auf“

Schon bald dürften die Euro-Partner ein neues etwa 120 Milliarden schweres Hilfspaket für Griechenland auf den Weg bringen. Die DIW-Forscher halten diese Rettungsaktionen für sinnlos - oder sogar kontraproduktiv.
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Berlin. „Griechenlands Schulden sind so hoch, dass das Land unter der Zinsbelastung zusammenbricht. Auch ein weiterer Rettungsschirm kann da keine Abhilfe schaffen“, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin. Er plädierte für einen weitgehenden Verzicht der Gläubiger auf ihre Forderungen. Allein für die jährlichen Zinszahlungen müsste die griechische Wirtschaft um 7,5 Prozent wachsen. „Auch das jetzt beschlossene Hilfsprogramm reicht nicht aus, um dem Land eine langfristige Perspektive zu geben“, erklärte Fichtner: „Die Schulden fressen das Land letztlich auf“, und deshalb „ist ein Schuldenschnitt unausweichlich“.

Die einzige Alternative wäre, dass die anderen Euroländer die griechischen Schulden zurückzahlten. „Griechenland braucht einen Schuldenschnitt, nur dann hat es eine Chance auf eine selbstständige Erholung von der Krise“, sagte der Wirtschaftsforscher. Wenn die Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Ansprüche verzichten würden, könnte das Land wieder auf die Beine kommen. Der DIW-Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup sagte, bei einem Schuldenschnitt „hätte die EZB die Verluste“, weil sie griechische Staatsanleihen in großem Umfang als Sicherheit akzeptiert hatte.

Nach einem „geordneten Teilkonkurs“ Griechenlands könnten die Finanzmärkte außerdem auch Portugal und Italien auf den Prüfstand stellen, und es drohte „ein langsames Zerbröseln der Eurozone“, sagte Rürup. Die Finanzminister hätten die Entscheidung eigentlich nur vertagt. „Die Stunde der Wahrheit wird im September schlagen“, sagte der Professor.

Die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) habe in der Krise gelitten. „Die EZB wäre gut beraten, sich wieder auf die Sicherung der Preisstabilität zu konzentrieren und sich aus der Rettung der südeuropäischen Krisenländer etwas mehr herauszuhalten“, kritisierte Fichtner. „Die derzeitige Geldpolitik ist allenfalls für die südeuropäischen Mitgliedsländer der Währungsunion angemessen, nicht aber für die übrigen Länder, in denen deutlich höhere Zinsen angebracht wären.“ Auch Deutschland könnte bei 2,4 Prozent Inflation in diesem Jahr höhere Zinsen brauchen. Das DIW erwartet eine leichte Zinserhöhung durch die EZB, „um die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen“.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Düstere DIW-Prognose: „Schulden fressen Griechenland auf“"

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  • Er ist gestern an mir in weniger, als zwei Metern vorbeigefahren, ich wae leider nicht vorbereitet, neben mir stand ein Polizist, sonst hätte der EURO seinen ersten Märtyrer...

  • Rheoritk reicht nicht, es muß auch Sinn dahinter stecken...

  • German citizens call for a new class action law suit under RICO against the current US government under Obama, the US Federal Reserve, the US Treasury Department, the 3 major rating agencies (S&P, Moodys, Fitch) and these american banks: BoA, JPMC, Citi, Morgan Stanley


    Focus on
    - criminal collusion
    - deceipt of the general public and allied countries
    - ongoing manipulation in the bond markets, precious metal markets & currencies
    - theft and financial crimes against mankind
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    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Sammelklage

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