Duisburg
Moschee als Standortfaktor

Die Duisburger Zechenstraße ist ein trister Ort. Ausgerechnet da, wo früher die Kantine der Kohlezeche stand, gibt nun ein helles, prächtiges Gebäude dem Arbeiterviertel neue Hoffnung: In Duisburg-Marxloh öffnet am Sonntag die größte Moschee Deutschlands. Mit dem Bau zeigt Duisburg nicht nur religiöse Toleranz.

DUISBURG. Die Duisburger Zechenstraße ist ein trister Ort. Die schwarzen Backsteinhäuser sind alt und schmucklos. Hier wohnten die Kohlekumpel. An einer Mauer steht in abgeblätterter Schrift: "Das Revier stirbt und Bonn schaut zu." So lange ist das benachbarte Kohlebergwerk schon dicht, dass Bonn noch Bundeshauptstadt war. Ausgerechnet da, wo früher die Kantine der Kohlezeche stand, gibt nun ein helles, prächtiges Gebäude dem Arbeiterviertel neue Hoffnung: In Duisburg-Marxloh öffnet am Sonntag die größte Moschee Deutschlands.

Die Moschee ist ein Zeichen, wie die traditionelle Industriestadt den schmerzhaften Strukturwandel positiv wenden will - und dabei auf die ehemaligen Gastarbeiter setzt. Duisburg wirbt um die Ansiedlung türkischer Unternehmen, und Anziehungspunkte wie die Moschee sollen neue Kaufkraft in die Stadt locken.

So groß, wie das Etikett "größte Moschee Deutschlands" vermuten lässt, ist der Bau aber nicht. 1 200 Gläubige finden in dem Gebetsraum Platz. Die Kuppel ist 23 Meter hoch, das Minarett 34 Meter - kleiner als der gegenüberliegende Kirchturm des katholischen Gotteshauses St. Peter. 7,5 Mio. Euro kostete die Moschee. An Spenden kamen 3,8 Mio. Euro zusammen. Das Land und die Europäische Union förderten mit 3,2 Mio. Euro die Begegnungsstätte im Souterrain, wo sich Menschen aller Religionen treffen sollen.

Anders als bei den umstrittenen Moschee-Projekten in Köln-Ehrenfeld oder Berlin-Pankow gab es in Duisburg-Marxloh keine Demonstrationen. Verwaltung und Bürger führten viele Gespräche. "Dass unsere Muslime irgendwann auch ein repräsentatives Gotteshaus bauen wollen, lag auf der Hand", sagt Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

Denn Duisburg wird geprägt von Migranten. 160 000 Einwohner in der Halbmillionenstadt sind Einwanderer oder deren Nachfahren. Tausende Gastarbeiter kamen in den 60er-Jahren, um in den Stahlwerken und Kohlezechen zu arbeiten. Doch der größte örtliche Arbeitgeber Thyssen-Krupp baute viele Stellen ab. Das traf vor allem Marxloh, einen der ärmsten Stadtteile Duisburgs. Viele ehemalige Arbeiterwohnungen stehen leer oder wurden abgerissen.

"Duisburg begreift die junge, dynamische Migrantenbevölkerung aber auch als Chance", sagt Yunus Ulusoy vom Essener Zentrum für Türkeistudien. In der Ruhrmetropole gibt es inzwischen über 2 500 türkische Unternehmer. Nicht nur Imbissbudenbesitzer, sondern auch Logistik- und Bauunternehmer mit Hunderten Mitarbeitern. "In der türkischen Gemeinschaft wächst ein Mittelstand heran, der für uns zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor wird", sagt Sauerland. Er reist immer wieder in die Türkei, um weitere Firmen anzulocken. Die neue Moschee soll ihren Teil dazu beitragen.

Zum Eröffnungstag erwartet die Gemeinde 7 000 Besucher. Schon mehr als 40 000 Besucher haben den Bau bestaunt. "Sogar Touristen aus China und Japan sind mit Bussen angereist", sagt Ersoy Arik, Vorsitzender des Vereins türkischer Geschäftsleute in Duisburg (Tiad). "Die Moschee bringt sehr viel Kaufkraft nach Marxloh", sagt Arik. Er selbst ist dafür das beste Beispiel: Der Tankstellenbetreiber hat sich gegenüber der Moschee ein Haus gekauft.

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