_

Duisburg-OB unter Druck: „Alles andere als ein Rücktritt wäre ein Skandal“

exklusiv Nach der Massenpanik mit 20 Toten bei der Loveparade in Duisburg wächst der Druck auf Veranstalter und Stadtverwaltung. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft fordert den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Doch nicht nur er sollte seinen Hut nehmen, sagte Rainer Wendt.

Unter Beschuss: Adolf Sauerland (CDU). Quelle: Reuters
Unter Beschuss: Adolf Sauerland (CDU). Quelle: Reuters

dne/saf/HB DÜSSELDORF. Es sei „völlig unerheblich“, ob Sauerland persönlich an der Planung der Veranstaltung beteiligt war, sagte Wendt Handelsblatt Online. „Als Chef der Verwaltung und Stadtoberhaupt trägt er die politische Verantwortung und muss zurücktreten, alles andere wäre ein echter Skandal.“

Anzeige

Ihm persönlich tue das zwar „ausgesprochen leid, denn ich kenne Adolf Sauerland seit vielen Jahren persönlich und schätze ihn sehr“, fügte Wendt hinzu. Er finde es aber „unerträglich, wenn die Verantwortlichen sich jetzt monatelang hinter der Staatsanwaltschaft verstecken wollen und glauben, durch ihr Schweigen dieses schreckliche Ereignis aussitzen zu können“.

Neben Sauerland muss nach Wendts Ansicht auch der Sicherheitsdezernent der Stadt, Wolfgang Rabe, von seinem Posten entbunden werden. „Als Chef der Stadtverwaltung hat sich Adolf Sauerland auf seine Spitzenbeamten verlassen müssen, auch dort gab es breites Versagen“, sagte der Gewerkschafter. „Deshalb muss mindestens auch der Dezernent seinen Hut nehmen.“

Auch in der Bundespolitik dringt man auf Konsequenzen. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sprach sich im Handelsblatt für einen Rücktritt der Verantwortlichen aus. Uhl sagte, „politische und persönliche Konsequenzen“ nach der Katastrophe von Duisburg seien unausweichlich. Die Verantwortlichen müssten dafür geradestehen, dass die Sicherheitsstandards für die Loveparade sträflich unterlaufen worden seien, sagte der Abgeordnete.

Wendt forderte überdies die Landespolitik zum Handeln auf. Die zuständigen Abgeordneten dürften jetzt nicht in den Ferien bleiben. „Es muss eine Sondersitzung des Innenausschusses einberufen werden, damit ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss installiert wird“, verlangte Wendt. Außerdem müssten die Sicherheitskonzepte derartiger Großveranstaltungen unter Genehmigungsvorbehalt des Innenministers gestellt werden. „Das darf man nicht länger Kommunalpolitikern überlassen.“

  • 27.07.2010, 16:04 UhrAnonymer Benutzer: Hirte

    Jeder kleine Polizist, der sich etwas zuschulden kommen lässt, wird bis zum Ende der Ermittlungen gegen ihn sofort vom Dienst suspendiert und hat keinerlei Einfluss mehr. "Politikgötter" vom Schlage Sauerland und Mahlberg sind erst recht nicht tragbar. Wessen Geistes Kind ist die CDU, solch schädliche Typen nicht sofort zu suspendieren? Wieso suspendiert der Duisburger Stadtrat den Ob nicht sofort vom Dienst? Wieso tritt der Duisburger CDU-Vorsitzende nach bekanntwerden seiner Taktiererei nicht ebenfalls sofort zurück? Lebt Duisburg noch oder wieder in totalitären Zeiten?

  • 27.07.2010, 12:53 UhrAnonymer Benutzer: TiM

    Wer etwas Makaberes zum Thema braucht, schaue sich mal die Website der CDU-Duisburg (Punktde) an. Dort ist aktuell der amtierende, rücktrittsscheue Ob Sauerland grinsend neben der beileidsbekundung der Stadt-Partei zu sehen. Und über allem "thront" der Kreisvorsitzende Mahlberg, ebenfalls breit grinsend, der per brief versucht hatte, den ehemaligen Duisburger Polizeipräsidenten Rolf Cebin, von (Ex-)NRW-innenminister Wolf ablösen zu lassen. Cebin hatte erhebliche bedenken bei der Umsetzung der Loveparade geäussert!

    Es ist ein bild, das wütend macht, auch wenn die Kombination der Darstellung auf der CDU-Website reiner Zufall ist! Dennoch frage ich mich, ob das sonst niemandem aufstößt???????

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.