Duo Peters/Huber gewählt
Schlappes Ergebnis für IG-Metall-Spitzenduo

Nach wochenlangem Führungsstreit hat die IG Metall auf ihrem Gewerkschaftstag am Sonntag Jürgen Peters mit dem schlechtesten Ergebnis seit 40 Jahren zum neuen Vorsitzenden der größten Industriegewerkschaft gewählt. Sein Stellvertreter Berthold Huber erhielt mit 67,1 % nur einen Prozentpunkt mehr als Peters.

Reuters FRANKFURT. Auf den als Traditionalisten geltende Peters waren 66,1 % von 591 gültigen Delegiertenstimmen entfallen. Ein Ergebnis unter 80 % gilt in der Gewerkschaft allgemein als schwach, doch kam in der Wahl diesmal auch der Streit über den gescheiterten Streik in Ostdeutschland zum Ausdruck, der die IG Metall in ihre bislang tiefste Krise gestürzt hatte. Peters' Vorgänger, der im Führungsstreit zurückgetretene Klaus Zwickel, hatte bei seiner Wiederwahl 1999 knapp 88 % erhalten, Peters als sein Stellvertreter erhielt damals 77 %.

Peters sagte in einem Schlusswort vor den Delegierten: „Wir haben alle diejenigen enttäuscht, die Chaos erwartet und Spaltung erhofft haben.“ Von dem Gewerkschaftstag gehe das Signal aus, dass die IG Metall zu ihrer Handlungsfähigkeit zurückgefunden habe. Das Ergebnis der Vorstandswahl bezeichnete er als „ehrliches Ergebnis und faires Resultat“.

Der Berliner Gewerkschaftsforscher Hans-Peter Müller bezeichnete das Abstimmungsergebnis als Bewährungsprobe für das neue Führungstandem Peters/Huber. „In beiden Lagern gibt es beachtliche Minderheiten, die sich auch durch beharrliche Appelle an die Geschlossenheit nicht in ihrem Stimmverhalten beeinflussen lassen.“ Peters und der zum Reformlager zählende Huber müssten zeigen, ob sie die zerstrittenen Flügel zusammenführen könnten.

Ernst durchgefallen

Bei der Wahl der weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands fiel der Schweinfurter IG-Metall-Chef Klaus Ernst durch. Damit blieb das ursprünglich zwischen Huber und Peters verabredete Personaltableau unverändert. Das beste Stimmergebnis erhielt mit 88,6 % der Hauptkassierer Bertin Eichler, der damit von den Delegierten Rückendeckung für sein Sparprogramm erhielt. Die IG Metall muss wegen der anhaltenden Austrittswelle und damit verbundenen Einnahmeverlusten ihre Ausgaben um zehn Prozent kürzen.

Auf ihrem Gewerkschaftstag hatten die Delegierten zuvor zwei Tage lang über die Folgen des gescheiterten Streiks für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland gestritten. Peters hatte die rivalisierenden Flügel aus Modernisierern und Traditionalisten mehrfach zur Geschlossenheit aufgerufen. Am Ende überwog nach dem wochenlang öffentlich geführten Führungsstreit bei den Delegierten der Wunsch nach Harmonie, und so straften sie Peters für das Streikdebakel nicht ab. Peters war nach dem Streik von Zwickel der Täuschung über die Folgen des Arbeitskampfes im Westen bezichtigt und zum Rücktritt aufgefordert worden.

Peters verteidigt Tarifautonomie

In seiner Grundsatzrede vor der Wahl hatte Peters Aktionen der Gewerkschaften zur Verteidigung der Tarifautonomie angekündigt und ein Ende der internen Streitigkeiten gefordert. Die IG Metall müsse ins Gespräch kommen, sie dürfe aber „nie mehr ins Gerede kommen“. Zugleich verteidigte Peters vor den Delegierten das Vorgehen beim Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. In seiner von viel Applaus begleiteten Rede rief Peters auch zu Protesten gegen die Reformagenda 2010 der Bundesregierung auf. Zur SPD werde die IG Metall wegen der Sozialreformen ihr Verhältnis neu justieren.

Huber, der in vier Jahren Nachfolger Peters' werden könnte, warb für ein neues Verhältnis von Tarif- und Betriebspolitik. Die IG Metall brauche eine offene Debatte über Modelle, Chancen und Gefährdungen. „Die Stigmatisierung von Themen wird uns jedenfalls nicht weiterhelfen“, sagte er. Für 2004 kündigte Huber eine „aktive“ Tarifrunde an. Auf Nachfrage von Reuters ließ Huber erkennen, dass die IG Metall bei der Aufstellung ihrer Lohnforderung neben einem Inflationsausgleich, der Teilhabe am Produktionsfortschritt auch wieder eine weitere Komponente fordern könnte. Neben den beiden erstgenannten müsse „man sich auch darüber hinaus Gedanken machen“, sagte er. Die Arbeitgeber haben bereits angekündigt, dass sie diesmal keinen Abschluss akzeptieren wollen, der die Unternehmen überfordere.

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