Duo Schröder/Fischer
Lieber kämpfen als den "Lafo" machen

Bei Rot-Grün herrscht Endzeitstimmung. Des Kanzlers Neuwahl-Coup war mehrheitlich nicht nach dem Geschmack der Koalition. Das Duo Schröder/Fischer aber wird zusammenhalten - notfalls bis zum bitteren Ende.

HB DÜSSELDORF. Wo immer Gerhard Schröder in diesen Tagen öffentlich auftritt, ist wenig von den Schockwellen zu spüren, die die Republik bewegen. Egal, ob er den serbischen Ministerpräsidenten Tadic begrüßt, durch Mecklenburg-Vorpommern tourt oder den Kirchentag in Hannover besucht: Seine demonstrative Gelassenheit lässt fast vergessen, in welcher Situation der Kanzler steckt. Ein wenig fühlt man sich in seiner Nähe wie im Auge eines Hurrikans - auch dort ist es seltsam ruhig. Die rot-grüne Endzeitstimmung in der Republik scheint bei Schröder jedenfalls nicht angekommen zu sein.

Szenenwechsel. Eine Straße in Berlin-Mitte. Mit der ins Gesicht gezogenen Baseball-Kappe zieht Joschka Fischer in den Wahlkampf - joggend. Bis zur Wahl, das hat er verkündet, will er wieder fit sein. Gleich zweimal zierte er erst mit seinem Bauch und dann mit seinem Anti-Bauch-Programm die erste Seite der Boulevardpresse. "Joschka läuft sich (wieder) dünn", titelt diese.

Kaum etwas zeigt in diesen Tagen den Unterschied zwischen Kanzler und Vizekanzler so deutlich. Schröder wirbt dafür, dass mit ihm bleibt, was ist. Das tut er auch hinter den Kulissen, etwa im SPD-Parteirat am Montag. Unmissverständlich erklärt der Kanzler, dass er als Kandidat nur zur Verfügung steht, wenn seine Reformpolitik fortgesetzt wird. Endlich hat er, dem jahrelang Wankelmütigkeit und fehlende Konzepte vorgeworfen wurden, seine Rolle gefunden. Die will er bis zum Ende durchhalten und sich von niemand nehmen lassen - auch nicht von seiner Partei.

Fischer, das ewige politische Chamäleon, ist dagegen gerade wieder einmal dabei, sich selbst neu zu erfinden - auch wenn der Wandel oder vielmehr das Abspeckprogramm vielleicht nur bis zur Wahl reichen mag. "Der Dicke muss flugtauglich gemacht werden", spottet ein führender Grüner, nur halb im Spaß. Und wie immer, wenn Fischer etwas tut, macht er es lautstark und plakativ. "Wenn unser größtes Problem meine Figur sein sollte, dann haben wir die Wahl schon gewonnen", tönt er schon zum Beginn der Diät. Da ist er wieder, der Hang, das eigene Leben als Inszenierung zu leben.

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