Durchbruch im Metall-Tarifstreit
Mit Red Bull zum Erfolg

Nach der Tarifeinigung erhalten die Metaller in zwei Etappen 4,8 Prozent mehr Geld. Die Unternehmer bekommen im Gegenzug die geforderte längere Laufzeit – und die Möglichkeit zu Ausnahmeregeln in einzelnen Firmen.

Berlinie s

Sie haben es spannend gemacht. Während sich die Netzgemeinde in der Nacht zu Freitag an Jan Böhmermanns „Verafake“ abarbeitete, konnte die IG Metall auf Twitter nur vermelden, dass die Tarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen schwierig sind und sich hinziehen. „Wir informieren weiter“, hieß es lapidar von der Gewerkschaft. Die Pressestelle des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall twitterte Fotos des Caterings aus dem Verhandlungssaal in Köln: Neben Mineralwasser- und Orangensaftflaschen auch jede Menge Dosen eines österreichischen Energydrinks, der angeblich Flügel verleiht.

Lange hatte es in den seit Anfang März laufenden Tarifverhandlungen für die 3,8 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie so ausgesehen, als würden zwei Schnellzüge aufeinander zurasen. Die schon terminierten Hintergrundgespräche mit den Journalisten rückten immer näher, ohne dass bei den nächtlichen Verhandlungen eine Einigung in Sichtweite kam. Zu weit lagen die Forderungen der Gewerkschaft nach fünf Prozent mehr Geld für ein Jahr und das Angebot der Arbeitgeber auseinander. Die hatten zunächst 0,9 Prozent Tarifsteigerung und eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent offeriert und später eine Erhöhung um 2,1 Prozent in zwei Stufen plus einmalig 0,3 Prozent bei zwei Jahren Laufzeit angeboten.

Gesamtmetall hatte dabei argumentiert, dass dieses Angebot angesichts der Mini-Inflation ein deutliches Reallohnplus für die Beschäftigten bedeutet. Die Gewerkschaft sah das anders und hatte bis zur fünften entscheidenden Verhandlungsrunde mehr als 760.000 Beschäftigte zu Warnstreiks mobilisiert. Sollte es zu keiner Einigung kommen, drohte die IG Metall zudem damit, ab Pfingsten ihr neues Arbeitskampfkonzept mit 24-Stunden-Streiks zu erproben, das auf die gesamte Lieferkette der Branche gezielt und massive Schäden verursacht hätte.

Und so standen die Verhandlungsführer im Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler für die IG Metall und der Automobilunternehmer Arndt Kirchhoff für die Arbeitgeber, vor der schwierigen Aufgabe, im „magischen Dreieck“ aus Tabellenerhöhung, Laufzeit und Differenzierungsklauseln einen für beide Seiten gesichtswahrenden Kompromiss zu finden.

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