Durchsuchung im Stuttgarter Wirtschaftsministerium
Spendenaffäre um Döring zieht weitere Kreise

Auch nach dem Rücktritt des baden-württembergischen Wirtschaftsministers Walter Döring (FDP) ziehen seine Umfragedaten weitere Kreise. Dabei rückt zunehmend der umstrittene PR-Berater Moritz Hunzinger in den Mittelpunkt. Am Montag wurde bekannt, dass Hunzinger als Privatperson bereits 1997, im Jahr nach Dörings Eintritt in die Stuttgarter Landesregierung, an seinen Heimatkreisverband eine Spende über 7 500 Mark geleistet hat.

pre STUTTGART. Dagegen gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass die bisher von Döring als Spende der Hunzinger-PR-GmbH dargestellte Zahlung von 10 000 Mark vom Dezember 1999 tatsächlich gar keine Parteispende war. Bei dem Unternehmen sei der Betrag als „Zahlung ohne Rechnung“ verbucht, erläuterte ein Kripo-Beamter am Montag im Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags.

„Spätestens heute hätte Döring ohnehin zurücktreten müssen“, hieß es am Montag im Untersuchungsausschuss. Der FDP-Politiker hatte in der vergangenen Woche gegenüber seinen Parteifreunden die 10 000 Mark als irrtümlich unter seinem Namen verbuchte Spende dargestellt, die tatsächlich von Hunzinger stamme.

Die Südwest-FDP hat deshalb in der vergangenen Woche sogar ihren Rechenschaftsbericht für 1999 korrigiert. Döring hatte die Spendenquittung bei seiner Steuererklärung für 1999 eingereicht und dafür eine Gutschrift von 372 DM erhalten. Erst vor wenigen Tagen, so heißt es aus FDP-Kreisen, korrigierte er dies gegenüber den Behörden per Selbstanzeige. Warum der PR-Berater dem Stuttgarter Minister die 10 000 DM überwiesen hat, ist weiterhin unklar.

Neue Einzelheiten erbrachte auch die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Wirtschaftsministerium am vergangenen Freitag, die der letzte Auslöser für Dörings Rücktritt zum 1. Juli war. Im Schreibtisch seiner früheren Büroleiterin Margot Haussmann, so schilderte es der Minister selbst intern, fanden sie eine Rechnung des Meinungsforschungsinstituts Infas über 31 000 Mark.

Die Frau des früheren Bundeswirtschaftsministers Helmut Haussmann hatte im Mai 1999 ein Gespräch zwischen Döring und Hunzinger vermittelt. Hauptthema war eine Umfrage, die Infas kurz darauf durchführte. Die schmeichelhaften Ergebnisse nutzte der Liberale zur persönlichen Profilierung bei seiner Bewerbung als stellvertretender Bundesvorsitzender.

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