Edathy-Affäre und die Folgen
SPD nennt Union „beleidigte Leberwurst“

Der Fall Edathy belastet das Klima in der Koalition. SPD-Politiker Kahrs hat das Beleidigtsein der Union satt. Andere Genossen liebäugeln mit einem Linksbündnis, was die Stimmung noch zusätzlich anheizt.
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BerlinNur wenige Monate hat die Große Koalition gebraucht, um das zu provozieren, was sie unbedingt vermeiden wollte - einen „Neustart“. Zwar nehmen die Spitzenpolitiker von CDU, CSU und SPD tunlichst dieses Wort nicht in den Mund, weil sie nicht in einen Topf mit dem missglückten Start der schwarz-gelben Regierung vor vier Jahren geworfen werden wollen. Aber das jüngste Krisentreffen der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD hat zwei Dinge deutlich gemacht: Zum einen hat die Edathy-Affäre das Bündnis trotz seiner übergroßen Mehrheit im Bundestag nachhaltig erschüttert. Zum anderen aber sind Angela Merkel, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel entschlossen, diese Koalition zusammenzuhalten.

Wie die koalitionäre Geschlossenheit wieder hergestellt werden soll, bleibt allerdings das Geheimnis der Parteioberen. Zumindest innerhalb der SPD ist man wenig geneigt, große Verrenkungen zu vollziehen, um die Missstimmung in der Union einzudämmen. Ob das auch der aktuellen Forsa-Umfrage geschuldet sein mag, die die Sozialdemokraten bei nur noch 22 Prozent sieht? Die jüngsten Äußerungen einiger Genossen gehen darauf nicht direkt ein. Dennoch sind einige Verlautbarungen eher dazu angetan, für neuen Ärger in der Koalition zu sorgen als dazu, Frieden zu stiften.

Über Twitter ging der Chefhaushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Kahrs, die Union scharf an. „Könnte die CDU/CSU jetzt mal aufhören, beleidigte Leberwurst zu spielen, es nervt“, schrieb der Hamburger Abgeordnete. „Wir wurden gewählt, um anständig zu regieren. Es wäre fein.“ Bei Facebook ergänzt er: „Merkel & Seehofer zwingen Friedrich zum Rücktritt und die SPD soll ein schlechtes gewissen haben?“

Außerdem betonte Kahrs, dass die SPD gewählt worden sei, um soviel SPD-Politik wie möglich umzusetzen. Und er fügt stolz hinzu: „Zum Ärger von CDU/CSU tun wir das ganz erfolgreich.“

Kahrs zeigte sich zudem offen für eine Annäherung an die Linkspartei. Allerdings nur dann, wenn Linksparteipolitiker wie der Fraktionsvize Dietmar Bartsch größeres Gewicht bekämen. Die Linke, twitterte Kahrs, habe derzeit nur einen Gegner, die SPD. „Hoffe, die sortieren sich mal und werden wie Bartsch. Sonst wird das nix!“

Kommentare zu " Edathy-Affäre und die Folgen: SPD nennt Union „beleidigte Leberwurst“"

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  • die große Koalition war ein Fehler. Rot leidet unter Profilierungssucht. Schwarz und grün wäre besser gewesen.

  • Es geht doch nicht alleine um den Fall Edathy, es ist auch die Affäre von Wowereit und Schmitz.
    Die Frage der Außenpolitik von Steinmeier zur Ukraine, dann geht es um Steinbrück wie er wieder über die Schweiz sich äußert...und und und.
    Sigmar Gabriel macht schon Pinokio Konkurrenz....!
    Es gibt einfach keine Vorbilder mehr in der Politik, das gild für jede Partei, einfach nur noch peinlich !
    Durch einen Schlaganfall kann ich nicht besser schreiben.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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