Effizienz der Universitäten verbesserungswürdig
Forscher im Dornröschenschlaf

Mehr Wettbewerb, mehr Freiheit und höhere Gehälter - dann brummt die Wissenschaft wieder. Doch die notwendigen Reformen stehen erst am Anfang.

HB BERLIN. Beginnen könnte die nächste Bundesregierung damit, vor der eigenen Haustür zu kehren: In 50 Einrichtungen lässt der Bund für seine eigenen Zwecke forschen - vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft über das Umweltbundesamt bis zum Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Das Ganze kostet den Steuerzahler rund 1,3 Mrd. Euro im Jahr - so viel, wie sämtliche Forscher der Max-Planck-Gesellschaft zusammen ausgeben können.

Der Wissenschaftsrat fordert seit langem, die Terra incognita der deutschen Forschung auf den nötigsten hoheitlichen Kern zu beschränken. Einen großen Teil der Aufgaben sollen Unis und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer- oder Max-Planck-Gesellschaft übernehmen. Die Bundesregierung hat immerhin die Evaluierung einiger Bundesinstitute in Auftrag geben, das Ergebnis kommt im November. Dann muss die nächste Regierung Konsequenzen ziehen.

Eine Reform brächte Geld in die Kasse, das wieder in die Forschung fließen muss. Doch das allein wird nicht reichen - hat sich doch Deutschland das EU-Ziel zu eigen gemacht, bis 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben. Derzeit sind es 2,5 Prozent. In Deutschland muss vor allem der Staat seinen Anteil erhöhen - er hat die Finanzierung in den letzten Jahren mehr und mehr der Industrie überlassen.

Ein Teil des zusätzlichen Geldes muss in die Gehälter der Forscher fließen, fordert der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker. Nur so sei es möglich, Spitzenforscher zu behalten und aus dem Ausland anzulocken und vor allem den Nachwuchs so zu bezahlen, dass er nicht ins Ausland flüchtet. "3 900 Euro monatliches Grundgehalt für einen 35-jährigen Forscher ist nicht akzeptabel - in Österreich, der Schweiz und Großbritannien verdienen sie mindestens 50 Prozent mehr." Die neue leistungsbezogene Professorenbesoldung erlaubt zwar Leistungszuschläge, begrenzt aber deren Gesamtsumme. Die Folge sei, dass nur wenige Spitzenforscher gut verdienen, bei den Jungen aber gespart wird. "Davon wird eine Uni auch nicht gut", so Winnacker.

Um die Forschung aus dem Würgegriff des öffentlichen Dienstrechts zu befreien, ruft der Wissenschaftsrat schon lange nach einem eigenen Wissenschaftstarif. Die amtierende Regierung hatte sich das auch vorgenommen, wurde aber von den Innenpolitikern aus Bund und Ländern blockiert.

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