EFSF-Abweichler

Bosbach erwägt Rückzug aus der Politik

Abgeordnete sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Das gilt auch für den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Er stimmte gegen den Euro-Rettungsschirm - und nahm dafür Vorwürfe in Kauf, die „tief ins Persönliche gehen“.
Update: 30.09.2011 - 09:13 Uhr 59 Kommentare
Wolfgang Bosbach (CDU) beklagt massiven Druck aus den eigenen Reihen. Quelle: dpa

Wolfgang Bosbach (CDU) beklagt massiven Druck aus den eigenen Reihen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), erwägt, sich wegen des Streits um den Euro-Rettungsschirm und des Drucks auf ihn aus den eigenen Reihen aus der Politik zurück zu ziehen. „Wenn Sie mich vor vier Wochen gefragt hätten, ob ich 2013 wieder für den Bundestag kandidiere, dann hätte ich gesagt: Gern!“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitagausgabe).

„Aber nach der Erfahrung der letzten Wochen bin ich nicht mehr so sicher. Ich werde nur dann kandidieren, wenn ich weiß, dass die Politik nicht bloß Arbeit, sondern auch Freude macht. Wenn ich das Gefühl habe, ich bin mit meiner Haltung nicht mehr willkommen, dann muss ich mir das nochmal überlegen. Denn die Themen, um die es jetzt geht, die werden uns ja erhalten bleiben.“

Bosbach fügte hinzu, er sei sich darüber klar gewesen, „dass es Ärger gibt, wenn man sich entscheidet, nicht für die Regierungsvorlage zu stimmen. Ich bin ja nicht naiv. Aber was ich in den letzten Wochen erlebt habe, das habe ich mir so nicht vorgestellt. Das gilt insbesondere für Vorwürfe, die tief ins Persönliche gehen.“ So habe man ihm unterstellt, „dass ich noch eine Rechnung offen hätte, weil meine Karriereerwartungen enttäuscht wurden. Das ist Blödsinn.“

Auch habe man ihn zum Anti-Europäer abgestempelt, der zu dumm sei, die politische Bedeutung der europäischen Einigung zu erkennen, und ihm nahe gelegt, in der Öffentlichkeit zu schweigen. Das sei zu viel gewesen. Bosbach hat am Donnerstag als einer von 15 Abweichlern der schwarz-gelben Regierungsfraktionen gegen die Erweiterung des Euro-Rettungsschirm EFSF gestimmt. Zuvor war Bosbach nach eigenen Angaben von Mitgliedern der Unionsfraktion auf subtile Art und Weise massiv unter Druck gesetzt worden, seinen Widerstand aufzugeben.

Inzwischen hat Bosbach für seine ablehnende Haltung Rückendeckung von Horst Seehofer erhalten. Der CSU-Chef hat die Union zu einem vorsichtigen Umgang mit Abweichlern und Kritikern gemahnt. "Man muss die ganze politische Familie zusammenhalten, darf die Leute nicht ausgrenzen", sagte Seehofer dem "Münchner Merkur" (Freitagsausgabe). „Die CDU hat ja schon eine ganze Reihe von Persönlichkeiten verloren“, mahnte Seehofer. In der CSU werde dieser Weg nicht beschritten. Seehofer nannte den Umgang mit dem CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach extrem bedauerlich.

  • rtr
  • dapd
  • afp
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59 Kommentare zu "EFSF-Abweichler: Der verletzte Politiker"

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  • Die gleichen Leute, die Bosbach wegen seiner abweichenden Meinung gemobbt haben, sind solche, die das Mitläufertum der Deutschen während der DDR-und Nazi-Zeiten kritisieren. Heuchelei reinsten Wassers!

  • Als die Griechenlandkrise bekannt wurde,wurde zu gleicher Zeit den Europäern bekannt, dass jene gelogen und betrogen hatten(durch Fälschen der Bilanzen)um in den Genuss des Euro zu kommen.Damals hätte Griechenland innerhalb einer Woche aus dem Verbund ausgesclossen werden müssen. Es wäre ein Ende mit Schrecken gewesen. Jetzt ist es ein Schrecken ohne Ende

  • "Das gilt insbesondere für Vorwürfe, die tief ins Persönliche gehen. So habe man ihm unterstellt, „dass ich noch eine Rechnung offen hätte, weil meine Karriereerwartungen enttäuscht wurden (Zitat)"

    Ja - da hilft vielleicht - die Gründung einer neuen Partei?
    Etwa KDU = Kritische Demokratische Partei

    Aber zurück zum "Herdentrieb", der zuvor an Bosbach nach eigenen Angaben durch Mitglieder der Unionsfraktion auf subtile Art und Weise massiv ausgeübt wurde.
    Nun könnte man sagen, die Vorsitzende der Partei kommt aus einem " System" wo "Druck" an der Tagesordnung war. Aber das gilt ja nicht für alle , doch interessant wäre es , jenen CDU-Teil einmal zu analysieren, die Leute unter Druck setzen, wenn sie der "Herde" widersprechen. Wahrscheinlich war der Unterschied zwischen West und Ost in Sachen "Kadavergehorsam " also gar nicht so groß. Man beachte dabei das Wort Kader - im Osten hatte so ziemlich jeder eine "Kaderakte" - im Westen hieß und heißt so etwas nur Personalakte. Aber wie es ausschaut - gibt es neuerdings die "gemeinsam suggerierte " Abstimmung fast ohne Gegenstimme auch im Westen jetzt? Da kann man nur sagen - die "Ostzone" läßt nachträglich noch grüssen.

  • Zuviele Politiker entscheiden nicht nach Überzeugung sondern hinsichtlich des persönlichen Wohlergehens, Bosbach offensichtlich nicht, er ist Abweichler aus Perspektive der Rational-Choice-Theorie.


  • @ Jannemann!
    Sie haben schon recht - sie verdienen Respekt!-will
    auch niemandem zu nahe treten - ich versuche halt auch
    mich im Sinne unserer Sache zu äußern bzw. die Kräfte
    zu bündeln. LG

  • Lieber Herr Bosbach, Sie sind Christ und wissen, dass man seinem Feind beide Wangen hinzuhalten hat. Also bieten Sie diesen AntiChristen auch Ihre andere Wange. Danach sagt die Biebel " sollst Du Deinen Feind lieben wie Dich selbs". Schade dass Sie kein Moslem sind. In diesem Fall dürften Sie sich einen Sprenggürtel umschnallen und sich mitten im Parlament mit diesen Volksverwesern in die Luft sprengen. Als Märthyrer wären Sie noch am selben Tag im Paradis, umringt von jungen Huri=Jungfrauen. darüberhinaus hätten Sie noch einen großen Beitrag zur Versöhnung mit dem Islam vollbracht. Also los, sagen Sie vor 2 Zeugen : "es gibt keinen Gott ausser Gott und Muhammed ist sein Prophet." dann sind Sie bereit zur Unsterblichkeit

  • Ich möchte es überspitzt formulieren, in diesem Land gibt es keine Demokratie mehr, es herrscht die Diktatur von Merkel und ihrem Lakaien Schäuble.
    Zusammengefasst, es ist ein Trauerspiel seit der Bundestag nach Berlin umziehen mußte, um die damaligen DDR-Bürger und ihre Volkskammerabgeordnete zufrieden zu stellen.
    Ein Hoch auf den Vereinigungskanzler Kohl.
    Demokraten im Bundestag vereinigt euch, gegen den wideraufstieg von Unfreiheit, sozialistischer Machart.
    Danke

  • Irgendwann werden wir den gestrigen Beschluß und die bescheuerten Politiker verfluchen, die einem Herdentrieb folgend unsinnige Entscheidungen treffen, die sie selber nicht verstehen oder erklären können. Da es logischerweise keine Argumente gibt, beschmeisst man sich gegenseitig mit verbalen Dreck. so hat unsere Gesellschaft keine Zukunft mehr. Gute Nacht Europa !!!

  • @gabsch:
    Dann möchte ich bitte auch als Held bezeichnet werden. Immerhin beschäftige ich in Deutschland 50 Menschen . Ich betrachte das zwar als meinen Job als Unternehmer, aber wenn die korrekte Ausübung seines Jobs zur Promotion zum Helden ausreicht, möchte ich mich nicht ausgenommen wissen.

    Mir fehlt offensichtlich das philosophische Gen, um hier mehr in eine Sache hineinzuinterpretieren als objektiv vorhanden ist. Der Herr hier tut für mich ganz simpel das, wofür er bezahlt wird und seine Kollegen verraten uns auf ganzer Linie. Leider kein sehr positives Bild für mich...

  • Möchten wir mal sehen! Die Direkte Demokratie oder altenative Denkansätze, wie die Qualifizierte Demokratie und Cyberdemokratie werden, bis heute, tunlichst, totgeschwiegen. Die eine oder andere Volksabstimmung, Stuttgart 21, bringt wenig! Die Direkte Demokratie muß ein instutionelles Werkzeug, der Macht dem Volke, sein, welches sich dem Parlamentarismus nicht verweigert, sondern ihn anregt und aufwertet.
    Ohne mehr Qualität kommt die Demokratie nicht weiter.

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