EFSF-Hebelung
„Aus Stroh Gold spinnen, das gibt's nur im Märchen“

Die Euro-Retter wollen heute den Krisengeldtopf künstlich vergrößern. Doch selbst Koalitionspolitiker glauben nicht an den Erfolg einer wundersamen Geldvermehrung. Sie befürchten immense Risiken für Deutschland.
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DüsseldorfIn der Koalition und der Opposition sind Zweifel an der Wirksamkeit des vom Haushaltsausschuss beschlossenen Hebels für den Euro-Rettungsschirm EFSF laut geworden. „Aus Stroh Gold spinnen - das gibt's nur im Märchen“, sagte der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch Handelsblatt Online. Auf dem Finanzmarkt bekomme man schlicht nichts umsonst. „Formal stimmt zwar die Propaganda der Rettungsschirmpolitiker, dass das Haftungsrisiko auch beim Hebeln auf 211 Milliarden begrenzt bleibt“, fügte der Haushaltsexperte hinzu. Doch die Eintrittswahrscheinlichkeit der Haftung steige „gewaltig, weil wir bei jeder teilweise ausfallenden Forderung den schlechten Teil haben“. Das sei aber eine eher theoretische Diskussion, ergänzte Willsch, da europäische Staatsanleihen einem derzeit „nicht gerade aus den Händen gerissen werden“.

Auch der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, ist überzeugt, dass der Hebel nicht funktioniere,  da er von den Investoren nicht angenommen werde. Gleichzeitig erhalte der EFSF bankähnliche Befugnisse, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Das Risiko steigt dadurch erheblich. Aus kurz mach lang wurde bereits der IKB, WestLB und SachsenLB zum Verhängnis.“

Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß schloss ebenfalls aus, dass der EFSF trotz erhöhter Schlagkraft des EFSF geeignet sei, Schuldnerländern wie Italien wirksam zu helfen. „Es sieht nicht so aus, dass der Hebel die Kraft haben wird, größeren Problemländern zu helfen“, sagte Poß im Deutschlandfunk.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble am Vorabend grünes Licht für die Schlussverhandlungen über die Leitlinien für den EFSF gegeben. Die Abgeordneten billigten in geheimer Sitzung eine Vorlage, auf deren Basis die Euro-Finanzminister am Dienstag die Gespräche abschließen wollen, wie Teilnehmer sagten. In diesen Leitlinien ist auch eine Hebelung der EFSF-Milliarden vorgesehen, um die Schlagkraft des Schirms durch private Mittel zu erhöhen.

Kommentare zu " EFSF-Hebelung: „Aus Stroh Gold spinnen, das gibt's nur im Märchen“"

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  • Wenn der Euro ein Friedensprojekt gewesen sein sollte, so ist es gründlich gescheitert. Nichts hat die Völker Europas in den letzten 60 Jahren so entzweit wie der Euro. Er erweist sich mehr und mehr als Weg ins Verderben.

  • @ Konrad

    Und die Verstaatlichung von Banken ändert an der korrekt beschriebenen Realität genau was?

    Sie kritisieren zu Recht das staatlich legalisierte fractional banking der Privatbanken. Und als "Alternative" schlagen Sie vor, dass die Geldschöpfung künftig durch den Staat erfolgen soll?

  • Wohlstand in welchem Land? Den Euro auch nur im entferntesten mit Frieden in Verbindung zu bringen ist ja wohl purer Zynismus!

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